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So funktioniert meine Anlagestrategie konkret!

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Damit wären wir bei meiner Anlagestrategie. Angeregt durch die beiden erwähnten Bücher habe ich mich nach vielen Experimenten nun für einen strategischen Mix aus moderatem Risiko, hohem Einkommen und Aktien mit relativer Stärke und einem gewissen Momentum entschieden.

Doch der Reihe nach. Meine Strategie basiert auf mehreren Kriterien, für die ich marktübliche Filter, sprich Screener verwende. Die Basis bilden Aktien mit einem geringen Beta. Damit sind Aktien gemeint, die eine geringere Schwankungsbreite haben als der Gesamtmarkt. Wie Pim van Vliet in seinem Buch ausführt und mit vielen statistischen Belegen eindrucksvoll darlegt, haben Aktien mit einem geringeren Beta langfristig gesehen eine bessere Performance als andere Aktien beziehungsweise der Gesamtmarkt.. Denn einer der Glaubenssätze aller großen Investoren sagt, dass man zuerst sein Risiko begrenzen muss, bevor man an Gewinne denkt. Und damit ist man automatisch beim Beta. Ein Beta kleiner 1 sagt aus, dass die zugrundeliegende Aktie weniger Volatilität aufweist als der Gesamtmarkt. Und das bedeutet weniger Risiko im Depot. Das ist sozusagen die Basis eines wertorientierten und gleichzeitig risiko-vermeidenden Depots. Den Screener kann man nach Sektoren, nach Ländern oder nach Marktzyklus anwenden. Da wir es nicht allzu kompliziert machen wollen, erstellen wir ein Portfolio nach den Hauptsektoren. Dazu zählen z.B. Technologie, Rohstoffe, Pharma, Nahrungsmittel, Transport oder Grundstoffe. Ich habe, um den kompletten Marktzyklus abzudecken, möglichst viele Sektoren in meine Screenings aufgenommen, auch wenn das bedeutet, dass man einige zur falschen Zeit kauft. Wir werden gleich sehen, wie das in der Praxis aussieht. 

Nachdem man über das Beta kleiner 1 Aktien gefunden hat, verfeinert man die Auswahl durch das Hinzufügen von weiteren Kennzahlen. Ich bevorzuge hier die Dividendenrendite (muss mindestens 3-4 % betragen), die Marktkapitalisierung (mind. 3 Mrd. USD) und das KGV (oder das amerikanische Pendant P/E kleiner 20). Mit diesen einfachen Kennzahlen kann man die Auswahl beträchtlich einschränken. Den Turbo erhält das Screenings durch die Hinzunahme des Momentums. Hier wähle ich den vergangenen 6-Monatszeitraum, heißt: Die Aktie muss höher stehen im Kurs als vor 6 Monaten. Hier zeigt sich auch der Unterschied zu einer reinen Value-Strategie. Denn während ich bei dieser durchaus auch in Unternehmen investieren würde, die gerade einen lupenreinen Abwärtstrend aufweisen, und ich mit dem Kauf auf einen Turnaround eines an sich finanziell gut aufgestelltem Unternehmen spekuliere, welches gerade von den Marktteilnehmern abgestraft wird und dessen Kurs sich zum Beispiel im Vergleich zum Vorjahr halbiert hat (aktuell fällt mir dazu General Electric ein oder Gilad Sciences, Stand Mai 2018), hole ich mir durch das Momentum die Aktien ins Depot, die bereits eine Bodenbildung vollzogen haben und deren Kurs wieder angestiegen ist.

Wie wichtig ist das Momentum bei meiner Methode? Spontan beantwortet, macht das Momentum den Unterschied aus zwischen einer reinen Value-Strategie und einer risikoarmen, aber dennoch auf Performance ausgerichteten Strategie. Wobei es einen kleinen Haken gibt – wie eigentlich immer 🙂 Natürlich ist es möglich, Aktien zu finden, die sich gerade in einem Abwärtstrend befinden, weil sie gerade nicht trendy sind. Oft befinden sich darunter aber Unternehmen, die völlig zu Unrecht vom Markt abgestraft wurden. Diese Unternehmen verfügen über ein sehr gutes Geschäftsmodell, operieren in einer zukunftssicheren Branche, der Cashflow steigt permanent und sie schütten Jahr für Jahr eine satte Dividende aus. Nach dem Value-Ansatz sind solche Unternehmen ein Investment wert. Sie sind unterbewertet. Doch es kann Jahre dauern, bis diese Aktie wieder ihren fair value erreicht. Sie kann weiter fallen, sich seitwärts bewegen oder nur sehr langsam sich erholen. Für solche Aktien braucht man als Anleger starke Nerven und viel Zeit. Unter Umständen dauert es Jahre, bis sich die Stimmung für solch einen Wert dreht und die Aktie dann endlich ansteigt. Ob man das als Investor durchhält, weiß man erst, wenn man bei so einem Wert dabei ist.

Bei Hinzunahme eines positiven Momentums kauft man eine Aktie, die ihre schlimmsten Zeiten eventuell schon hinter sich hat. Die Tiefs liegen etwas zurück und der Kurs steht heute höher als vor 6 Monaten oder einem Jahr. So eine Aktie hat bereits wieder das Interesse der Käufer auf sich gezogen und es besteht eine gewisse Wahrscheinlichkeit, dass sie weiter steigt. Man springt sozusagen auf den fahrenden Zug auf. Welche Zeitspanne man wählt, um von einem positiven Momentum zu profitieren, bleibt jedem selbst überlassen. Ich denke, 6 Monate sind das mindeste, aber mit 52 Wochen, sprich einem Jahr, fährt man auch gut.

Im Ergebnis sollte man jetzt über eine ausreichende Auswahl an defensiven, starken Unternehmen verfügen, die man in sein Portfolio aufnehmen kann. Achtung: An dieser Stelle beginnt die Diversifikation. Das ist ein Stichwort, das jeder Anleger schon einmal gehört hat, aber die wenigsten beachten es in der Praxis. Aber es ist ein wichtiger Punkt und auch Anleger, die ein begrenztes Kapital zur Verfügung haben, sollten dennoch ihr Kapital auf verschiedene Unternehmen aufteilen. Neben all den genannten Faktoren ist Diversifikation einer der Schlüsselfaktoren für eine Outperformance gegenüber dem Gesamtmarkt. Ich gehe folgendermaßen vor: Ich überlege mir, welche Summe ich im aktuellen Jahr in Aktienkäufe investieren möchte. Dann nehme ich meine Liste mit den herausgefilterten Kaufkandidaten zur Hand und teile die Investitionssumme gleichmäßig auf die einzelnen Aktien auf. In jede Aktie wird also der gleiche Betrag investiert. (geringe Abweichungen ergeben sich deshalb, weil man immer nur ganze Stückzahlen kaufen kann). Das ist simpel und bietet einen ordentlichen Sicherheitspuffer, denn eins ist klar: In jedem Depot wird es auch Werte geben, die sich schlechter als der Gesamtmarkt schlagen werden. Sogar viel schlechter. Deshalb gilt die bekannte Binsenweisheit: Lege nicht alle Eier in einen Korb!

Nach dem Screening sollte man über eine ausreichende Anzahl an Unternehmen verfügen, in die man investieren kann. Hier beginne ich mit dem letzten Teil des Auswahlprozesses – der Fundamentalanalyse. Denn sich nur auf die o.g. Faktoren zu verlassen, schließt die Analyse der einzelnen Unternehmen aus. Und das will ich vermeiden. Da ich eventuell viele Jahre in den ausgewählten Unternehmen investiert bin, möchte ich auch wissen, um welche Unternehmen es sich im einzelnen handelt und wie deren aktuelle fundamentale Situation ist und die Zukunftsaussichten aussehen. Deshalb kann ich auf die klassische Fundamentalanalyse nicht verzichten. Das sind die Kriterien, die mich besonders interessieren:

  • Gewinnwachstum
  • Dividendenwachstum
  • Verschuldungsgrad
  • Preis/free Chashflow
  • Insiderkäufe/ – verkäufe
  • Kurs/ Buchwert-Verhältnis
  • PEG-Ratio – ein Wert, der das Gewinnwachstum berücksichtigt
  • Payout-Ratio: Wieviel des Gewinns schüttet das Unternehmen als Dividende aus

Mit diesen Kriterien kann man sich ganz gut an die Bestimmung des fair value einer Aktie machen. Ich investiere natürlich lieber in ein Unternehmen, dessen Aktien momentan unter ihrem fair value notieren. Warum? Weil hier – unabhängig von meinen verwendeten Filterkriterien – noch ein zusätzlicher „Turbo“ eingebaut ist. Der zündet dann so richtig, wenn der Gesamtmarkt die Unterbewertung ebenfalls erkennt und die Aktie entsprechend gekauft wird. Bei genügend Kaufinteresse sollte dann auch der Kurs steigen. Man findet unterbewertete Aktien vor allem in Sektoren, die gerade vom Markt verschmäht werden. Zur Zeit rennt zum Beispiel alles, was irgendwie mit Technologie zu tun hat. Vice versa will offenbar gerade niemand beispielsweise in Pharma- oder Biotechwerte investieren. Das führt dazu, dass man in diesen Sektoren Unternehmen findet, die teilweise mit einem einstelligen KGV bewertet sind. Solche Chancen gilt es zu nutzen, wenn es sich um fundamental gesunde, gut aufgestellte Unternehmen mit Marktführerschaft in ihrem Bereich handelt.

Womit ich beim nächsten wichtigen Punkt bin, der leider viel zu oft unterschätzt wird – der Faktor Zeit. Meine Strategie beweist ihre wahre Stärke erst nach längerer Anlagedauer. Ideal ist ein kompletter Börsenzyklus, also sprechen wir über einen Zeitraum von mindestens fünf, wahrscheinlich aber eher acht bis zehn Jahren. In diesem Zeitraum kommt vor allem eine Komponente der Strategie voll zum Tragen – das Income, womit hier die regelmäßigen Dividendenzahlungen gemeint sind. Damit mache ich mich quasi unabhängig von den Kursschwankungen der Aktien, denn die Dividende kommt regelmäßig und im besten Falle auch steigend. Bei der Auswahl der Unternehmen achte ich nämlich auch darauf, dass die Unternehmen genügend Gewinne erwirtschaften, um zum einen das Wachstum zu finanzieren, zum anderen aber auch in der Lage sind, ihren Aktionären einen großen Teil dieser Gewinne über die Dividendenzahlungen zukommen zu lassen. Um sich hier ein Bild zu machen, wieviel Geld das Unternehmen für Ausschüttungen zur Verfügung hat, empfehle ich einen Blick auf das Payout Ratio. Damit wird die Höhe der Ausschüttungsquote in Prozent beschrieben – also der Teil des Gewinnes, der für Dividendenzahlungen zur Verfügung stehen sollte. Genauer gehe ich auf diesen Aspekt noch ein, wenn ich die einzelnen Unternehmen in meinem Echtgeld-Depot vorstelle.

Ich fasse noch einmal zusammen: Zuerst screene ich nach dem Beta. Das muss auf jeden Fall kleiner 1 sein, je kleiner, desto besser, weil risikoärmer. Danach kommt das Income – also eine Dividendenrendite von mindestens 3 bis 4 %. Dazu ein KGV bzw. P/E kleiner 20. Die Unternehmen sollten eine Marktkapitalisierung von mindestens 3 Mrd. USD haben. Zusätzlich sollten sie ein positives Momentum aufweisen. Das heißt, dass sie aus einer Bodenbildung heraus wieder höhere Hochs und tiefere Tiefs aufzeigen im Chart bzw. zum Zeitpunkt des Screenings höher stehen im Kurs als vor 6 Monaten oder 12 Monaten, wenn man einen längeren Zeitraum wählt.

Die drei Top-Kriterien heißen also Beta = B, Momentum = M und Income = I. Dazu kommen die fundamentalen Kriterien = F.

Ich nenne meine Strategie folgerichtig BMIF-Methode

Photo by Stefan Cosma on Unsplash

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