Reflexionen

Facebooks Krypto-Coin Libra: Spannendes Experiment oder neues Geschäftsmodell?

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Gestern hat Facebook den Startschuss für den Einstieg in die Krypto-Szene gegeben. Der Jubel unter Facebook-Aktionären war groß. Doch was steckt wirklich hinter dem Stable Coin Libra von Facebook? Der Versuch einer Einordnung.

Dezentralität ist der große Unterschied zu Bitcoin & Co.

Bei Instagram und anderen sozialen Netzwerken konnte man den Jubel förmlich hören. Facebook steigt ein ins Krypto-Business und kündigt einen eigenen Coin an. Mit diesem Stable Coin namens Libra können dann irgendwann im ersten Halbjahr 2020 direkt über den Messenger oder Whatsapp Waren und Dienstleistungen bezahlt werden. Gebührenfrei und blitzschnell. Feine Sache! Bis zu diesem Punkt ist das Konzept von Libra durchaus mit Krypto-Anwendungen wie Bitcoin oder Stellar Lumen vergleichbar, auch wenn die Anwendung nur innerhalb des geschlossenen Öko-Systems von Facebook erfolgt. Das war es aber auch schon mit den Ähnlichkeiten. Denn schon die Organisationsstruktur für Libra lässt erkennen, dass ein wichtiges Merkmal für Krypto-Anwendungen (speziell Krypto-Währungen) außer Acht gelassen wurde – die Dezentralität. 

Silicon Valley-Companies bleiben bei Libra unter sich!

Aktuell ist es so, dass Facebook außerhalb der eigenen börsennotierten Firmenstruktur ein Projekt namens Libra intiiert hat. Das Ganze ist als Konsortium organisiert. In diesem Konsortium sitzen einige der großen Player im Finanz- und Online-Business: Uber, Paypal, Mastercard und Visa… Diese werden wohl auch die Full Nodes für die Libra-Blockchain betreiben. Kurze Erklärung: Full Nodes bestätigen quasi die einzelnen Transaktionen, die mit dem Stable Coin Libra getätigt werden. Sie legitimieren sie und schreiben sie damit fest und unveränderbar auf die Blockchain. Die Frage ist: Sieht so ein dezentrales Betreiber-Konzept aus? Mit Sicherheit nicht! Das Silicon Valley ist und bleibt unter sich und teilt natürlich auch den (monetären) Kuchen unter sich auf. 

Schau dir an, wer die Spielregeln macht und du weißt, was für eine Art Coin es ist!

Merkt das keiner von denen, die jetzt jubeln und den Kurs der FB-Aktie nach oben kaufen? Die Initiatoren des Projekts Libra machen das Geld. Fakt! Die Initiatoren des Projekts Libra bieten die Infrastruktur und erledigen die komplette Abwicklung. Fakt! Man möchte den Claqueren die alte Binsenweisheit zurufen: „Hey, guckt euch die Spieler an! Dann versteht ihr, wer hier den Profit macht!“ 

Wer bestimmt bei Bitcoin?

Wo sind bei Bitcoin die Bosse? Wo engagiert sich bei Bitcoin eine Aktiengesellschaft beziehungsweise ein Konsortium von börsennotierten Unternehmen zum Zwecke der Profitmaximierung? Ist eine Kreditkartenfirma bei Bitcoin für die Zahlungsabwicklung zuständig, wenn man BTC von A nach B schickt? Die Antwort auf all diese Fragen ist: NEIN! Bei Bitcoin ist kein einziges Unternehmen beteiligt, dass aktiv die Rolle eines Anbieters von Dienstleistungen erbringt. Es gibt keine Chefetage, wo entschieden wird, wer welche Anteile am Gewinn erhält. Bitcoin ist und bleibt ein dezentrales Projekt. Jeder im Netzwerk hat theoretisch die gleichen Stimmrechte. Das ist wahre Dezentralität. Eigentlich ganz einfach. Wahrscheinlich fällt das vielen Menschen deshalb nicht auf, weil sie sich schon zu sehr an die vielen kleinen unsichtbaren Abhängigkeiten gewöhnt haben, die ihr alltägliches Leben bestimmen. Man möchte ihnen sagen: „Hey, wacht auf! Wir sind gleich da!“

Das Timing für den Libra-Coin ist kein Zufall!

Der allgemeine Tenor heute in den sozialen Medien war recht eindeutig: „Ist ja toll, dass Facebook das jetzt macht.“ Eine Headline verlautete reißerisch: „Das ist dann wie Bitcoin – nur ohne Kursschwankungen.“ Gelächter! Dieser Spruch aus der Manipulations-Mottenkiste sagt eigentlich alles. Er impliziert, dass der Stable Coin von Facebook viel besser als Bitcoin ist. Weil Bitcoin ja so unglaublich volatil ist. Schöne Begründung. Und vollkommen Sinn-frei. Und falsch. Denn der Stable Coin von Facebook hat mit dem Bitcoin überhaupt nichts zu tun. Eigentlich müsste die Frage eine andere sein: Warum lanciert Facebook JETZT eine eigene Krypto-Währung? Sind die von selbst darauf gekommen? Ist nicht vielmehr die (erfolgreiche) Existenz von Bitcoin der Auslöser dafür, dass Zuckerberg sich schon seit längerem mit dem Gedanken beschäftigt, einen Fuß in die Tür zur neuen, unbekannten Krypto-Welt zu bekommen? Ein Schelm, der glaubt, dass der Zeitpunkt zufällig ist, an dem die Meldung über das Projekt Libra herauskommt. Seit März diesen Jahres läuft der Bitcoin und mit ihm viele andere Krypto-Währungen und -Token wie an der Schnur gezogen im Preis nach oben und kann mittlerweile eine Performance von 150 Prozent aufweisen und hat damit bei rund 9.000 USD die Höchststände erreicht, die zuletzt vor über einem Jahr gesehen wurden. 

Zuckerberg ist mit Sicherheit seit Jahren ein genauer Beobachter der Krypto-Szene. Er weiß, was er tut. Er erkennt die Trends. Siehe die Übernahmen von Whatsapp und Instagram. Ohne dieses Gespür wäre die Facebook-Aktie heute längst nicht das wert, wofür sie gehandelt wird. (Achtung: Wert einer Firma ist nicht gleich Aktienkurs 😉 

Bitcoin wird seit 10 Jahren für tot erklärt und existiert trotzdem in immer stärkerem Maße und bei immer höherer Anwendungsrate!

Seit zehn Jahren gibt es Bitcoin. Seit zehn Jahren wird er regelmäßig von bestimmten Personen für tot erklärt. Die meisten dieser Personen gehören übrigens zum Establishment aus Bankern, Regierungsvertretern und anderen Vertretern von institutionellen Organisationen. Also genau diejenigen, die ironischerweise irgendwie direkt oder indirekt am bestehenden Finanzsystem beteiligt sind und es aktiv bestimmen (Banken, Zentralbanken, Börsenaufsichtsbehörden, Finanzministerien etc.). Diese Kassandra-Rufer haben seit Jahren unisono Bitcoin und andere verwandte Coins für tot erklärt. Alle Mittel waren recht. Bis hin zur Kriminalisierung von Bitcoin-Enthusiasten, -Entwicklern und -Nutzern reichte dieser Shitstorm in Endlos-Schleife. Jetzt ist Facebook also ganz von alleine darauf gekommen, einen Krypto-Coin zu starten? Ausgerechnet Krypto? Wo doch nach Meinung der eben genannten Vertreter der öffentlichen Meinung ausschließlich Kriminelle, Drogen-Befürworter und verpickelte Programmierer in der Krypto-Szene aktiv sind. Ein merkwürdiger Zusammenhang, oder? Ich möchte das zumindest bezweifeln und präsentiere eine andere Theorie. 

Facebook hat erkannt, dass die Zukunft in der Blockchain-Technologie liegt!

Ich vermute, dass Facebook eine eigene Krypto-Währung ins Leben ruft, gerade WEIL es Bitcoin gibt und weil es Bitcoin erfolgreich seit zehn Jahren am Markt gibt. Bitcoin und viele andere Krypto-Anwendungen haben überlebt – trotz des Geschreis nach Verbot und Reglementierung. Sie sind da und vitaler denn je – trotz aller Buh-Rufe und der Versuche, die gesamte Krypto-Szene zu diskreditieren. Da lassen sich selbst Nobelpreisträger wie Herr Stieglitz darauf ein, für ein komplettes Verbot von Bitcoin und Co. zu agitieren. Oder nehmen wir Jamie Dimon, Vorstandsvorsitzender von Goldman Sachs. Dieser Gentleman hat Bitcoin öffentlich für tot erklärt, und dann stellte sich heraus, dass Investmentbanker von Goldman Sachs über eine schwedische Krypto-Börse genau in dieser Phase der negativen und abwertenden Aussagen ihres Chefs Bitcoin in großem Stil gekauft haben. Kann sein, dass es Zufall war. Kein sein, es war geplant. Wer weiß das schon? Es sagt nur eins: Alle Geschehnisse haben wie immer zwei Seiten. Deshalb sollte man meiner Meinung nach Facebook jetzt nicht zu sehr in die Rolle eines revolutionären Finanzsystem-Erfinders stellen. Die eigentliche Revolution hat bereits vor zehn Jahren begonnen, als das Mining der ersten Blöcke der Blockchain begann und Bitcoin das Licht der Welt erblickte.

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