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So funktionierte Aktienhandel früher!

2 Kommentare

Kürzlich habe ich bei Instagram auf einen Beitrag geantwortet. Darin ging es um die Frage: „Wie bist du zur Börse gekommen?“ Da musste ich schmunzeln. Ich dachte an meine Anfänge als Aktien-Investor. Tja, früher war wirklich alles anders. Ich erzähle meinen Start in die Welt der Unternehmensbeteiligungen einfach noch einmal.

Aktienhandel: Wie für mich alles begann!

Ich saß 1997 mit einem befreundeten Fotografen in Kassel bei der Eröffnung einer Kneipe zusammen. Der erzählte mir den ganzen Abend lang alles über seine Erfahrungen mit Aktien. Ich hörte zu. Saugte alle Informationen auf. Ich habe an diesem Abend einiges über Aktien erfahren. Mein Interesse war geweckt. Ach was, ich stand in Flammen. Es war das Jahr 1997. 

Mein Start in die Welt des Aktienhandels

Jung wie ich war, wollte ich das Gehörte unbedingt sofort probieren. Ich legte los. Allein die Einrichtung eines Wertpapierdepots war ein Akt. Ich ging zu meiner Bank. Das war damals die Sparda-Bank Kassel. Wertpapierdepot eingerichtet. Aber das Beste war der Aktienkauf/ -verkauf. Das lief damals folgendermaßen ab.

Voll analog: So funktionierte der Kauf von Aktien im Jahr 1997!

Ich musste in der Wertpapierabteilung bei der Sparda-Bank anrufen. Die Abteilung bestand aus 1 Mitarbeiter. Der war froh, dass jemand anrief, der richtig „heiß“ war. Wir plauderten nett. Ich hatte mein weniges Wissen von dem Fotografen und aus Börsenbriefen, die damals kursierten. Prior Börse. Platow Brief und solche Sachen. CW Röhl, der heute die wunderbare Website Dividendenadel betreibt, hatte damals gemeinsam mit Markus Rieger das Going Public Magazin am Start. Wie auch immer, ich unterhielt mich nett mit dem Typen von der Sparda-Bank. Der hatte einfach nichts zu tun.

Über solche Informationsquellen verschafften sich Börsen-Neulinge meist den Überblick über die Märkte. Einfach kostenpflichtige Hotlines anrufen. Die Stimme am anderen Ende der Leitung leierte dann Kaufempfehlungen herunter. Die Anrufe kosteten richtig Geld.

BASF und Dresdner Bank: Meine ersten beiden Unternehmensbeteiligungen!

Letztendlich entschied ich mich für den Kauf von Aktien zweier Unternehmen: Dresdner Bank und BASF. Soll ich dir sagen, wie ich darauf kam? Weil ich Dresdner bin, lag es nahe, Aktien der Dresdner Bank zu kaufen. So einfach war das. Der komplette Irrsinn. BASF wurde mir von dem Investmentexperten der Sparda-Bank empfohlen. Alles klar, der Typ musste es wissen. War ja der Wertpapier-Berater der Sparda-Bank. Klassisch die Kaufentscheidungen aus dem Bauch heraus getroffen. Analyse? Was für ne Analyse?! Ich wollte Aktionär werden. Basta! 

Aktienkauf 1997: Der Ablauf! 

Das Procedere lief wie folgt ab: Mein Kaufauftrag wurde von besagtem Wertpapierberater telefonisch nach Frankfurt an die Börse übermittelt. Dort wurde die Order am Folgetag ausgeführt. Einige Tage später lag dann ein Brief in meinem Briefkasten mit der Bestätigung des Kaufs. Darin stand, zu welchem Kurs ich die Aktien bekommen habe. Das lief alles market ab. Da konntest du als Käufer nichts bestimmen. Du konntest nur hoffen, einen guten Kurs zu bekommen. Völlig verrückt!  Natürlich bekam ich die Aktien zu einem völlig anderen Kurs, als ich mir das ausgemalt hatte. Weil ja zwischen meinem Auftrag und der Ausführung jede Menge Zeit verstrichen war.  Jedes Mal die ganz große Kinderüberraschung. Aktienkauf in diesen Zeiten war das reinste Abenteuer. Entweder war der Kurs, den ich bekam, viel niedriger oder viel höher als ursprünglich gedacht. Die Makler an der Börse in Frankfurt konnten ja Kurse würfeln, wie sie wollten. Wer konnte das kontrollieren? Ich etwa? Wie denn? Ich musste vertrauen. Aber ich wollte dabei sein. Ich wollte Aktien kaufen. Also machte ich den ganzen Zirkus mit. Ich war dabei und nur das zählte. Ach so, und die Provision für eine Order im Bereich 2.000 DM betrug ungefähr 50 DM. Dazu kam der Spread zwischen Bid- und Ask-Kursen. Der war so breit wie der Ostseestrand. 

Aktienhandel heute: Die Mechanismen sind die gleichen, nur die Technologie verschafft Vorteile!

Im Nachhinein bedauere ich, kein Makler gewesen zu sein in dieser Zeit. Da konnte man sich noch ordentlich die Taschen mit dem Geld ahnungsloser Anleger vollstopfen. Hat sich ziemlich viel getan seitdem. Die Mechanismen sind allerdings die gleichen geblieben. Auf jeden Fall hatte ich nach einer Woche die Gewissheit, dass die Aktien für mich gekauft wurden und in meinem Depot lagen. Wenn ich heute daran denke, muss ich schmunzeln. Vielleicht war die Ungewissheit, die man als Privatanleger damals hatte bei seinen Börsenaktivitäten, ein Teil des Spiels. Keiner von uns kleinen Investoren wusste eigentlich, was er tat. Man hatte Glück mit seinen Investments oder eben nicht. Jedenfalls dauerte es nicht lange, dann kam mit Consors der erste Direkt-Broker auf den Markt. Ich war Kontoinhaber der ersten Stunde. Karl Matthäus Schmidt brachte die Revolution nach Deutschland. Sein Vater war Bankier und er brachte Consors an den Start. Auf einmal ging alles online. Aktienkauf über ein paar Mausklicks. Genial! Das Spiel ging jetzt erst richtig los!

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2 Kommentare. Hinterlasse eine Antwort

Jung in Rente
August 30, 2019 5:05 am

Moin Tino,

echt erfrischend mal von jemandem zu lesen, der nicht erst „3 Tage“ an der Börse mitmischt und glaubt schon alles gesehen zu haben!

Ich bin altersbedingt zwar noch nicht ganz so lange dabei wie du. Dadurch blieb mir aber zumindest die Tech Bubble erspart 😉

Insgesamt also ein amüsanter Blick in den Rückspiegel. Gerne mehr davon!

– David

Antworten

    Moin David, das freut mich sehr, dass dir der kleine Blick in den Rückspiegel gefallen hat. Ich finde es aus heutiger Sicht auch ganz lustig. Damals war es das oftmals nicht. Freu mich, dass wir uns hier connecten. Beste Grüße, Tino

    Antworten

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