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Risiken minimieren mit Smart Beta-ETFs

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Wenn die Aktienmärkte boomen, dann fließt Kapital in die entsprechenden Anlagevehikel. Den größten Zufluss an Kapital verzeichnen immer noch börsennotierte ETFs. Doch Beliebtheit hat meistens eine unangenehme Folge. Es gibt derzeit unzählige ETFs, die sich an nach Kapitalisierung gewichteten Indizes orientieren und die meisten Marktsegmente abdecken. Doch fahren Anleger damit wirklich gut? Welche Risiken sind in ETFs enthalten? Mit welcher Strategie kann man diese Risiken abfedern?

Die grundlegende Definition von ETFs!

Die ersten index-basierten Fonds konzentrierten sich auf allgemein anerkannte Indizes wie den S&P 500 oder den DAX. Es folgten weitere ETFs, die sich an anderen, nach Marktkapitalisierung gewichteten Indizes orientierten. Mit ihnen konnten Anleger auf transparente Weise ein breit angelegtes Engagement in einem  Gesamtmarkt oder einem bestimmten Sektor (z.B. Solar oder Cybersecurity) tätigen. Die meisten Anleger verstehen aber nicht, welche Engagements sie konkret eingehen, wenn sie in ETFs anlegen, die sich an nach Kapitalisierung gewichteten Indizes orientieren. Es macht fast den Eindruck, dass ETFs eine risikoarme Anlageform darstellen. Dazu braucht es nur einmal einen Blick in diverse Instagram-Accounts, um das festzustellen. Doch dem ist nicht so. Es gibt einige potenzielle Risiken, die Anleger in diesen Fonds womöglich unterschätzen.

Risiken in Verbindung mit der Gewichtung der einzelnen Investments in einem ETF

Indizes basieren auf den Aktien von Unternehmen, die im entsprechenden Index enthalten sind. Diese Aktien sind innerhalb des ETF hoch gewichtet. Daher entfällt der größte Anteil eines Index auf die Unternehmen mit den höchsten Aktienkursen. Diese Aktien sind tendenziell überbewertet, weshalb man annehmen muss, dass auch der gesamte ETF überbewertet ist. Erschwerend kommt hinzu, dass nach Kapitalisierung gewichtete Indizes auch ihre Allokationen in Aktien erhöhen, deren Kurs steigt, und ihre Allokationen in Titeln abbaut, deren Kurs fällt – ohne Rücksicht darauf, ob die Aktien über- oder unterbewertet sind. Dies führt zwangsläufig zu erhöhten Konzentrationen bei überbewerteten Titeln. Das liegt daran, dass ETFs eben passiv verwaltete Fonds sind und eben kein Re-Balancing betreiben. Wäre das so, wären sie aktiv verwaltet und entsprechend teuer bei der Gebührenstruktur.

Da der Kurs überbewerteter Aktien zwangsläufig fallen könnte, leidet darunter die Performance des gesamten ETFs und weiterführend des gesamten Portfolios. Denn wenn die Kurse der Titel, die den größten Anteil eines Index ausmachen, fallen, fällt der ETF. Er fällt aber nicht einfach nur marktkonform, sondern stärker als der zugrunde liegende Index. Warum? Weil in dem ETF zu viele Titel enthalten sind, die überbewertet sind und diese eine zu hohe Gewichtung innerhalb des ETFs haben.

Nächstes Risiko in ETFs: Ländergewichtung!

Das nächste Risiko liegt in der Länder-Gewichtung. Einige Anleger entscheiden sich für ein Investment in Schwellenmärkten. Das ist per se eine gute Entscheidung. Die Annahme ist, dass sie ein relativ geringes Risiko mit ihrem Investment eingehen. Nehmen wir als Beispiel den MSCI Emerging Markets Index. Er besteht per definitionem aus Aktien in 24 Schwellenmärkten auf der ganzen Welt. Schaut man etwas genauer hin, stellt man fest, dass derzeit mehr als die Hälfte der Indexgewichtung auf Aktien aus lediglich drei Ländern entfällt: China, Taiwan und Südkorea. Dabei denkt man mit dem Begriff Emerging Markets natürlich an mehr als nur diese drei Länder. Wenn jetzt in einem dieser Länder eine volkswirtschaftliche Krise eintritt, dürfte das einen großen Einfluss auf den ETF und damit die Performance des Anlegers ausüben.

Mit Smart Beta ETFs kann man Risiken bedeutend minimieren!

Das Konzept von Smart Beta umgeht diese spezifischen Risiken und folgt eigenen, im voraus festgelegten Regeln für die Kriterien, nach denen eine Aktie in einen Index aufgenommen wird. 

Diese Regeln können stark von einer einfachen 1:1-Abbildung eines Index abweichen. Folgende Varianten sind möglich:

  • Alle Basiswerte werden gleich gewichtet. Somit enthält der ETF weniger Risiko, da es keine Position gibt, die höher als andere gewichtet ist.
  • Die einzelnen Investments werden nach dem Faktor Beta ausgewählt. Das Beta zeigt an, wie hoch die Volatilität der einzelnen Aktie im Vergleich zu ihrem Index ist. Aktien mit einem Beta unter 1 schwanken weniger als der Vergleichsindex.

In einem smart Beta ETF enthaltene Aktien müssen bestimmten fundamentalen Kriterien entsprechen. Diese können sein: 

  • Qualität/ Burggraben
  • Fair Value
  • Momentum
  • Volatilität/ Beta
  • Dividendenrendite/ Dividendenwachstum

Man kann diese verschiedenen Faktoren auch mischen. Das heißt, dass man sich nicht auf ein bestimmtes Kriterium festlegt, sondern mehrere heranzieht, um Unternehmen zu finden, die für den ETF in Frage kommen. Auf diese Weise kann man Performance-Schwankungen ausgleichen. Es braucht kein Markttiming und man optimiert die Transaktionskosten. 

Die Verwendung von fundamentalen Kriterien führt auch dazu, dass man bei seinen Investments einer wirtschaftlichen Logik folgt. Qualität und Wert eines Unternehmens spiegeln am besten die wirtschaftlich begründeten Fundamentaldaten im Aktienkurs wider. 

Oberste Regel von Profi-Investoren: Zuerst Risiko minimieren, dann Gewinne machen!

Portfolios, die nach Smart-Beta aufgebaut werden, sind definitiv Alternativen zu traditionellen, nach Marktkapitalisierung gewichteten ETFs auf Indizes. Mit dieser Herangehensweise folgt man am ehesten dem Rat aller großen Investoren – zuerst sein Risiko so minimal wie möglich zu gestalten und erst im Anschluss daran an die Gewinnmaximierung zu denken.

Photo by Andrew Neel on Unsplash

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