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Welche Auswirkungen hat Gruppenverhalten beim Investieren?

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Wie wirken sich psychologische Faktoren wie das Gruppenverhalten oder Nachahmungseffekte auf Investment-Entscheidungen aus? In diesem Artikel gehe ich diesem Phänomen nach und welche Folgen es haben kann. 

Gruppenverhalten und Nachahmungseffekte haben oft negative Auswirkungen für den Anleger!

Das Gruppenverhalten von Menschen und der Nachahmungseffekt kommt auch bei dem Thema Finanzen zum Tragen. Viele Menschen folgen dem Rat ihrer Freunde und investieren dort, wo diese investiert haben. Das kann gut sein, wenn man jemanden kopiert, der etwas von Vermögensaufbau und Finanzen generell versteht. Das kann aber auch mächtig nach hinten losgehen, wenn derjenige, dessen Investment-Entscheidungen man folgt, keine Ahnung von der Materie hat. Oder wenn die Investment-Entscheidungen dieser Person auch nur die Kopie von jemand anderem sind. 

Ein schönes Beispiel dafür hat Richard Thaler in seinem Buch „Nudge“ (gemeinsam mit Cass R. Sunstein, erschienen im Ullstein-Taschenbuchverlag)  beschrieben. Dabei geht es um Investmentclubs, die nachgewiesenermaßen oftmals eine besonders schlechte Performance zeigen, wenn die Mitglieder sich sehr konform verhalten und einer Entscheidung folgen, die von dem vermeintlich cleversten der Mitglieder in diesem Investmentclub getroffen wurde. 

Soziale Einflüsse im Finanzbereich führen zu sich selbsterfüllenden Prophezeiungen!

Generell trifft man dieses Herdentrieb-Verhalten sehr häufig bei Anlegern im Finanzbereich an. Es handelt sich hier laut Thaler und Sunstein um soziale Einflüsse, die zu sich selbst erfüllenden Prophezeiungen führen. Ist der erste Anstoß gegeben, dann folgt die Masse. Sehr viel zur Erforschung des Herdentriebs bei Anlegern an den Finanzmärkten hat der Wirtschaftsnobelpreisträger Robert Shiller beigetragen. Er hat mit dem Shiller-KGV einen neuen Ansatz vorgestellt. In diesem Artikel kannst du mehr zum Shiller-KGV erfahren.

Spekulationsblasen sind die Folge von sozialer Ansteckungskraft!

Auf diese Art und Weise entstehen Spekulationsblasen. Dahinter steckt die soziale Ansteckungskraft des Boom-Denkens. „Diese entsteht durch die gemeinsame Beobachtung immer weiter steigende Preise an den Finanzmärkten. Die Mehrheit der Menschen beginnt zu glauben, dass die optimistische Sicht der Dinge die einzig wahre ist.“ Ganz einfach deshalb, weil ihr ja die meisten Menschen folgen. Also kann es gar nicht falsch sein! 

Kritik und Zweifel werden konsequent ausgeblendet!

Kritische Stimmen werden in diesem Kontext kaum gehört und wenn doch, dann konsequent ausgeblendet. Hinzu kommt der Fakt, dass die Medien diesen Hype noch anheizen, in dem sie Headlines und Artikel veröffentlichen, die genau der Meinung der ohnehin schon positiv gestimmten Anleger entsprechen. Das setzt ein Rad in Bewegung, welches niemand mehr anhalten kann. Die so entstehenden Rückkopplungseffekte lassen die Preise für Aktien oder Immobilien immer weiter steigen und der allgemeine Eindruck verstärkt sich immer mehr bei den Anlegern, dass dieser Aufwärtstrend niemals enden wird. 

Bullenmärkte und Bärenmärkte haben zu 90 Prozent einen psychologischen Hintergrund!

Hierbei spielt auch eine große Rolle, dass Verhaltensökonomen nachgewiesen haben, dass jüngeren Ereignissen eine größere Gewichtung von unserem Gehirn eingeräumt wird als länger zurückliegenden. Fakt ist, dass diese auf einem Herdentrieb beruhende Bewegung irgendwann abrupt ihr Ende findet. Das ist dann besonders schmerzhaft für diejenigen, die bei der Aufwärtsbewegung in der Zeit vorher niemals kritische Stimmen gehört haben und auch ihre eigenen Zweifel unterdrückt haben. Dieses Verhalten was rein auf psychologischen Faktoren wie dem Herdentrieb – damit ist auch Gruppenzugehörigkeit gemeint – und dem Nachahmungseffekt beruht, ist tatsächlich zum großen Teil für Aufschwünge und längere Bullenmärkte wie auch für schnell fallende Märkte und depressive Bärenmärkte verantwortlich. 

Selbst die Kenntnis von Verhaltensökonomie schützt nicht vor Manie und Depression!

Robert Shiller hat in seinen Arbeiten diese Verhaltensweisen der Menschen und der Anleger an den Finanzmärkten hervorragend ausgearbeitet. Erstaunlich ist, dass selbst bei Kenntnis dieser psychologischen Faktoren, die nachgewiesen das Verhalten der meisten Anlegern an den Finanzmärkten bestimmen, es trotzdem regelmäßig zu Übertreibungen und Untertreibungen bei den Kursen von Aktien beziehungsweise Aktien-Indizes oder anderen Assets wie Immobilien kommt.

Das heißt: Wir wissen um die Macht der psychologischen Faktoren wie Herdentrieb und Nachahmungseffekte, aber wir finden keinen Ansatz, um uns ihnen wirklich zu entziehen. Wir machen mit in der Annahme, dass die Masse ja nicht falsch liegen kann. 

Fakt ist aber: Die Masse liegt meistens falsch!

Eine amüsante Anekdote hat Thaler in „Nudge“ noch beschrieben. Diesmal aus einem ganz anderen Bereich, nämlich dem der falschen Ernährung. Er schreibt:

„Wer mit anderen zusammen isst, nimmt ebenfalls zu. Eine weitere Person am Esstisch verführt Sie dazu, durchschnittlich 35 % mehr zu essen als dies ohne Gesellschaft der Fall wäre. Nimmt man die Mahlzeit zu viert ein, isst man sogar 75 % mehr, und in einer Gruppe von sieben oder mehr Leuten verputzt man fast die doppelte Menge.“ 

Richard Thaler in „Nudge“.

Anleger an den Finanzmärkten können also aufatmen. Herdentrieb und Nachahmungseffekte wirken auch in vielen anderen Lebensbereichen. Wer um diese psychologischen Einflussfaktoren weiß, kann sich natürlich schützen. 

Wie kann ich mich den Einflüssen von Gruppen entziehen?

Zum Beispiel, indem ich einen klaren Plan für meine Investitionen erstelle mit einem konkret formulierten Ziel und diesem Plan folge. Weiterhin ist es notwendig, dass so wenig wie möglich Einflüsse von außen, insbesondere von Medien und sozialen Medien, mein Denken beeinflussen. 

Eigenes Denken stärkt deine Persönlichkeit und schafft Zufriedenheit!

Selbstständiges Denken führt an der Börse definitiv zu mehr Verantwortlichkeit für die eigenen Investitionen. Mehr Verantwortung für sein eigenes Tun ist definitiv befriedigender für einen selbst. Daraus schöpft man Kraft und Selbstvertrauen. Deshalb: Folge deinen eigenen Entscheidungen! Die Ergebnisse, die du auf diese Weise erzielst, und die eben nicht durch Nachahmung und Kopieren entstanden sind, sind wertvoller! Eigenes Nachdenken und selbstständiges kluges Überlegen bringen dir eine ordentliche Zusatzrendite – nämlich persönliche Zufriedenheit darüber, etwas eigenes geschafft zu haben.

Photo by davide ragusa on Unsplash

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2 Kommentare. Hinterlasse eine Antwort

Finanzwolf.de
Januar 20, 2020 11:57 am

Gefällt mir :-).
Ich schau auch über den Tellerrand und lese Bücher die auch von sogenannten „Crashpropheten“ geschrieben werden. Mir geht es darum, auch eine andere sichþweise einzunehmen. In den Sozialen Medien wird der Markt immer ‚bullish‘ sein… zumal die wenigsten einen Crash mitgemacht haben. Mich eingeschlossen mit meinen jetzigen Investitionen im Gegensatz zu früher mit Peanuts bei der .com-Blase….

Antworten

    Es ist immer ein Balanceakt zwischen Vorsicht und Risiko. Deshalb ist es gut, wenn du versuchst, die Gegenseite zur aktuellen Mainstream-Meinung einzunehmen. Solange du dich mit deinen Positionen wohlfühlst, ist sowieso alles prima. Das eigene Bauchgefühl kann ein guter Berater sein 😉

    Antworten

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