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Meine Anlagestrategie konkret: Vermögensaufbau mit Dividenden!

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Das ist meine Anlagestrategie konkret: Vermögensaufbau mit Dividenden! Nach vielen Experimenten habe ich mich für einen strategischen Mix aus moderatem Risiko, hohem Einkommen und Aktien mit relativer Stärke und einem gewissen Momentum entschieden. Wie meine Anlagestrategie in der Praxis aussieht, erfährst du in diesem Artikel.

Seit Januar 2018 habe ich mich für eine neue Aktienstrategie entschieden: Vermögensaufbau mit Dividenden! Eine Folge davon ist, diese auch in diesem Blog öffentlich zu machen. Warum? Weil dieser Blog für mich als eine Art Tagebuch funktioniert. Aus den daraus resultierenden Konsequenzen erhoffe ich mir mehr Disziplin und Hartnäckigkeit für meinen persönlichen Vermögensaufbau mit Dividenden. 

Gleich zu Beginn der Disclaimer: Alle Trades erfolgen auf eigenes Risiko! Ich übernehme für meine hier in diesem Blog geäußerten Gedanken zu Aktien, ETFs oder Strategien keinerlei Haftung! Jeder muss für sein Handeln Verantwortung übernehmen. Sich seine eigene Gedanken machen. Seine persönliche Due Dilligence durchführen. Sich seine eigene Meinung bilden. Abgesehen von Aktien & Co. Ist das sowieso eine schöne Übung für jeden. Denn jeder Mensch ist ein Individuum und als solches erst einmal nur in der Verantwortung für sich selbst und die eigenen Entscheidungen. So viel dazu. Fangen wir an.

Anlagestrategie konkret: Die Vorgeschichte!

Nachdem ich in den Jahren seit 2012 sehr passiv an den internationalen Märkten unterwegs war, hat für mich im Jahr 2018 eine neue Periode der Aktivität begonnen. Und diese ist gekennzeichnet durch ruhiges, besonnenes Handeln und Investieren mit langfristigem Horizont. Vielleicht ist das eine Folge des ganz normalen biologischen Alterungsprozesses, aber ich habe in den letzten Jahren endgültig begriffen, dass Hin und Her nicht nur die Taschen leer macht, sondern auch unterm Strich keine Performance bringt. Aber da ich nicht aufgebe und die Aktienmärkte viel zu spannend und ertragreich sind, um einfach nur zuzuschauen, gilt es jetzt, anders heranzugehen. Smarter. Geduldiger. Hartnäckiger. Und konsequenter, was den Plan betrifft.

Was war der Auslöser? Ganz simpel war es die Lektüre zweier Bücher. Zum einen Guy Spier mit seinem eher anekdotenhaften Buch „Die Lehr- und Wanderjahre eines Value-Investors“ (ja, der Bezug zu Goethe trifft zu und sollte keinesfalls abschreckend wirken) und quasi als Weiterführung Pim van Vliet „High Returns from Low risk“. Fakt ist, dass ich nach der Lektüre dieser schmalen Bücher wusste, dass alles, was ich bis dahin gelesen hatte (seit Ende der 1990er Jahre ca. 50 Finanzbücher), mehr oder weniger obsolet war. Ausgenommen vielleicht John J. Murphy mit seinem Klassiker „Technische Analyse der Finanzmärkte“.

Wie wichtig sind Finanzbücher für eine Anlagestrategie?

Warum wurden die anderen Bücher obsolet? Weil darin meistens diverse Techniken gelehrt werden, wie man die Märkte traden kann. Damit wird der Eindruck vermittelt, dass der Trader/ Investor die Märkte beherrschen kann. Und das ist Bullshit. Die Märkte sind nicht beherrschbar. Du kannst bestenfalls auf der Welle surfen, aber du bist NICHT der Master of the Universe. Das ist die erste Lektion: Lerne Demut vor den Märkten! Sei dankbar für die Möglichkeit, an ihnen teilzunehmen, aber versuche nicht die Götter. Sie sind mächtiger als du. Und genau aus diesem Grund sind diese o.g. Bücher ein erster Leitfaden, um künftig entspannt und permanent einen kleinen Teil aus dem riesigen Kuchen für mich herauszuschneiden. Nicht mehr, aber auch nicht weniger. 

Es ist auch klar und muss nicht betont werden, dass es ein perfektes Handelssystem nicht gibt. Egal, ob du ein Investor bist oder ein Trader – das perfekte Handelssystem zu entwickeln ist und bleibt eine Illusion. Warum das so ist, habe ich in diesem Artikel erläutert.

Anlagestrategie konkret: Die ersten Schritte!

Meine Anlagestrategie basiert auf mehreren Kriterien, für die ich marktübliche Filter, sprich Screener verwende. Die Basis bilden Aktien mit einem geringen Beta. Damit sind Aktien gemeint, die eine geringere Schwankungsbreite haben als der Gesamtmarkt. Wie Pim van Vliet in seinem Buch „High Returns from Low Risk“ ausführt und mit vielen statistischen Belegen eindrucksvoll darlegt, haben Aktien mit einem geringeren Beta langfristig gesehen eine bessere Performance als andere Aktien beziehungsweise der Gesamtmarkt.

Wenn es mal signifikant abwärts geht an den Märkten, rückt der Begriff „Risiko“ wieder verstärkt in den Vordergrund. Doch was ist Risiko überhaupt? Was bedeutet Risiko für mein Aktiendepot? Salopp formuliert ist Risiko das, was ein Aktiendepot an negativer Performance erwirtschaftet, wenn die Finanzmärkte fallen. Fällt der Dax, fällt auch mein Depot. So weit, so schlecht! Aber um wieviel Prozent fällt mein Depot im Verhältnis zum Dax? Das ist die Frage, bei der sich entscheidet, wie viel Risiko man im Aktiendepot hat. Mit der Kennzahl Beta kann ich das Risikos in meinem Aktiendepot quantitativ messen.

Tipp für „Schnell-Test“, um das Beta im Aktiendepot zu bestimmen!

Jeder kann übrigens selbst eine Art „Schnell-Test“ für sein Depot durchführen, um mal zu realisieren, wie das denn so aussieht mit dem Risiko im Depot? Dazu einfach den gestrigen Verlusttag oder die Verluste der letzten beiden Tage im Depot nehmen und notieren. Anschließend die negative Performance vergleichen mit einem Index. Dazu ist folgendes zu beachten: Wer viele deutsche Aktien im Depot hat, der nimmt den DAX als Vergleichsindex. Wer mehrheitlich in europäischen Aktien investiert ist, der verwendet den Euro Stoxx 50. Diejenigen, die den größten Anteil ihrer Investments in den USA platziert haben, die nehmen den S&P 500-Index. Wer viel Tech-Aktien im Depot hat, der sollte den Nasdaq als Vergleichsindex nehmen. Jetzt also den Kursverlust der letzten beiden Tage oder auch nur den Verlust eines Tages vom jeweiligen Index nehmen und mit dem Kursverlust im eigenen Wertpapierdepot für den gleichen Zeitraum vergleichen. Ist der Verlust im persönlichen Wertpapierdepot höher als beim zugrunde liegenden Vergleichsindex, dann ist in diesem Depot ein höheres Risiko vorhanden. Das Risiko ist bezogen auf die im Depot befindlichen Aktien. Die Kennzahl für Risiko bei Aktieninvestments ist das Beta.

Die Bedeutung von Beta für die Bestimmung des Risikos im Aktiendepot!

Wenn das Beta in einem Depot zu hoch ist, dann führt das zu höheren Kursverlusten als den durchschnittlichen Kursverlusten im jeweiligen Vergleichsindex. Kompliziert? OK, hier kommt ein Beispiel: Mein Vergleichsindex ist der Nasdaq. Dieser verliert 2 %. Wenn ich in meinem Depot für den gleichen Zeitraum einen Verlust von über 2% verzeichne, dann habe ich ein zu hohes Beta in meinem Depot. Ich verliere mehr, als wenn ich passiv in einen Nasdaq-ETF investiert hätte. Deshalb empfehle ich, das Aktiendepot so aufzustellen, dass man ein Beta unter dem Vergleichsindex hat.

Einer der Glaubenssätze aller großen Investoren sagt, dass man zuerst sein Risiko begrenzen muss, bevor man an Gewinne denkt. Und damit ist man automatisch beim Beta. Ein Beta kleiner 1 sagt aus, dass die zugrundeliegende Aktie weniger Volatilität aufweist als der Gesamtmarkt. Und das bedeutet weniger Risiko im Depot. Das ist sozusagen die Basis eines wertorientierten und gleichzeitig risiko-vermeidenden Depots. Bei mir ist das Beta Teil meiner Investmentstrategie.

Anlagestrategie konkret: Zuerst bestimme ich das Risiko bei meinen Investments, dann kümmere ich mich um die Gewinne!

Für das Finden von chancenreichen Aktien verwende ich Aktienscreener. Es gibt kostenlose Screener wie den von finviz oder kostenpflichtige Screener wie zum Beispiel von simplywallstreet. Screener kann man nach Sektoren, nach Ländern oder nach Marktzyklus anwenden. Da wir es nicht allzu kompliziert machen wollen, erstellen wir ein Portfolio nach den Hauptsektoren. Dazu zählen z.B. Technologie, Rohstoffe, Pharma, Nahrungsmittel, Transport oder Grundstoffe. Ich habe, um den kompletten Marktzyklus abzudecken, möglichst viele Sektoren in mein Screening aufgenommen, auch wenn das bedeutet, dass man einige zur falschen Zeit kauft. Wir werden gleich sehen, wie das in der Praxis aussieht. 

Anlagestrategie konkret: Nach der Risikobestimmung kommt der Cashflow!

Nachdem man über das Beta kleiner 1 Aktien gefunden hat, verfeinert man die Auswahl durch das Hinzufügen von weiteren Kennzahlen. Ich bevorzuge hier die Dividendenrendite (mindestens 3-4 %), die Marktkapitalisierung (mind. 3 Mrd. USD) und das KGV (oder das amerikanische Pendant P/E kleiner 20, dies allerdings in Relation zum geschätzten Gewinnwachstum!).

Mit diesen einfachen Kennzahlen kann man die Auswahl beträchtlich einschränken. Den Turbo erhält das Screenings durch die Hinzunahme des Momentums. Hier wähle ich den vergangenen 6-Monatszeitraum, heißt: Die Aktie muss höher stehen im Kurs als vor 6 Monaten. Hier zeigt sich auch der Unterschied zu einer reinen Value-Strategie.

Anlagestrategie konkret: Gute Fundamentaldaten plus Aufwärtstrend!

Denn während ich bei dieser durchaus auch in Unternehmen investieren würde, die gerade einen lupenreinen Abwärtstrend aufweisen, und ich mit dem Kauf auf einen Turnaround eines an sich finanziell gut aufgestelltem Unternehmen spekuliere, welches gerade von den Marktteilnehmern abgestraft wird und dessen Kurs sich zum Beispiel im Vergleich zum Vorjahr halbiert hat, hole ich mir durch das Momentum die Aktien ins Depot, die bereits eine Bodenbildung vollzogen haben und deren Kurs bereits wieder angestiegen ist.

Wie wichtig ist das Momentum bei meiner Anlagestrategie?

Das Momentum macht den Unterschied aus zwischen einer reinen Value-Strategie und einer risikoarmen, aber dennoch auf Performance ausgerichteten Strategie. Wobei es einen kleinen Haken gibt – wie eigentlich immer. Natürlich ist es möglich, Aktien zu finden, die sich gerade in einem Abwärtstrend befinden, weil sie gerade nicht trendy sind. Oft befinden sich darunter aber Unternehmen, die völlig zu Unrecht vom Markt abgestraft wurden. Diese Unternehmen verfügen über ein sehr gutes Geschäftsmodell, operieren in einer zukunftssicheren Branche, der Cashflow steigt permanent und sie schütten Jahr für Jahr eine satte Dividende aus. Nach dem Value-Ansatz sind solche Unternehmen ein Investment wert. Sie sind unterbewertet. Doch es kann Jahre dauern, bis diese Aktie wieder ihren fair value erreicht. Sie kann weiter fallen, sich seitwärts bewegen oder sich nur sehr langsam erholen. Für solche Aktien braucht man als Anleger starke Nerven und viel Zeit. Unter Umständen dauert es Jahre, bis sich die Stimmung für solch einen Wert dreht und die Aktie dann endlich ansteigt. Ob man das als Investor durchhält, weiß man erst, wenn man in so einem Wert investiert ist.

Bei Hinzunahme eines positiven Momentums kauft man eine Aktie, die ihre schlimmsten Zeiten eventuell schon hinter sich hat. Die Tiefs liegen etwas zurück und der Kurs steht heute höher als vor 6 Monaten oder einem Jahr. So eine Aktie hat bereits wieder das Interesse der Käufer auf sich gezogen und es besteht eine gewisse Wahrscheinlichkeit, dass sie weiter steigt. Man springt sozusagen auf den fahrenden Zug auf. Welche Zeitspanne man wählt, um von einem positiven Momentum zu profitieren, bleibt jedem selbst überlassen. Ich denke, 6 Monate sind das mindeste, aber mit 52 Wochen, sprich einem Jahr, fährt man auch gut.

Anlagestrategie konkret: Der Haken beim Momentum!

Der Haken ist natürlich der, dass so eine Aktie, wenn man sie per Screeningprozess gefunden hat, bereits locker 30 % gelaufen sein könnte in den letzten sechs Monaten bzw. dem letzten Jahr. Dann bleibt die Aktie natürlich de facto immer noch ein Kauf, aber es braucht wieder einmal starke Nerven, um sich einen Wert ins Depot zu legen, der schon so gut gelaufen ist. Denn was passiert nach Murphy’s Law? Nach dem Kauf fällt diese Aktie und ich liege erst einmal im Minus. Das nervt. Klar ist das langfristig gesehen nur ein kleiner Rücksetzer, aber für den ersten Moment bin ich in so einer Situation erst einmal enttäuscht und möglicherweise bekomme ich Zweifel an meiner Anlagestrategie. Hätte ich doch noch gewartet mit dem Kauf? Ich hätte die Aktie viel günstiger kaufen können.

Moneymindset gehört zu einer Anlagestrategie! Glaube versetzt Berge!

In solchen Momenten trainiert man seinen Geist. Der Glaube versetzt Berge, und in unserem Fall bedeutet Glaube, dass ich unbedingt an meiner Strategie festhalte. Auch in schlechten Zeiten. Es ist also trotz aller quantitativen Faktoren, die bei der BMIF-Methode angewendet werden, immer eine Sache der persönlichen Überzeugung und der Disziplin, um letztendlich die Früchte zu ernten, die man gesät hat. Deshalb ist das M (Momentum) in meiner Strategie der Teilbereich, in dem ich auch ganz bewusst Kompromisse eingehe. Denn nur weil eine Aktie 1 % unter ihrem Kurs von vor 52 Wochen notiert, muss das nicht heißen, dass diese Aktie nicht unmittelbar vor einer Neubewertung steht und damit kurz vor einer Rallye. Deshalb habe ich das F (= Fundamentals) in meine Strategie eingefügt und deshalb finden sich in meinem Startportfolio auch Werte, die zum Zeitpunkt des Kaufs erheblich tiefer standen als vor einem Jahr. Warum ich diese Aktien dennoch gekauft habe, liegt an den überzeugenden Fundamentaldaten und dem Balance Sheet des Unternehmens. Wo ich keine Kompromisse mache, sind Beta und Income. Aber danach beginnt sozusagen die Arbeit und das Finetuning.

Anlagestrategie konkret: Auf ausreichende Diversifikation achten!

Im Ergebnis sollte man jetzt über eine ausreichende Auswahl an defensiven, starken Unternehmen verfügen, die man in sein Portfolio aufnehmen kann. Achtung: An dieser Stelle beginnt die Diversifikation. Das ist ein Stichwort, das jeder Anleger schon einmal gehört hat, aber die wenigsten beachten es in der Praxis. Aber es ist ein wichtiger Punkt und auch Anleger, die ein begrenztes Kapital zur Verfügung haben, sollten dennoch ihr Kapital auf verschiedene Unternehmen aufteilen. Neben all den genannten Faktoren ist Diversifikation einer der Schlüsselfaktoren für eine Outperformance gegenüber dem Gesamtmarkt. 

Anlagestrategie konkret: Wie erreiche ich ausreichende Diversifikation im Depot?

Ich gehe folgendermaßen vor: Ich überlege mir, welche Summe ich im aktuellen Jahr in Aktienkäufe investieren möchte. Dann nehme ich meine Liste mit den herausgefilterten Kaufkandidaten zur Hand und teile die Investitionssumme gleichmäßig auf die einzelnen Aktien auf. In jede Aktie wird also der gleiche Betrag investiert. Geringe Abweichungen ergeben sich, weil man immer nur ganze Stückzahlen kaufen kann. Das ist simpel und bietet einen ordentlichen Sicherheitspuffer, denn eins ist klar: In jedem Depot wird es auch Werte geben, die schlechter als der Gesamtmarkt performen werden. Sogar viel schlechter. Deshalb gilt die bekannte Binsenweisheit: Lege nicht alle Eier in einen Korb!

Anlagestrategie konkret: Check der Fundamentaldaten!

Nach dem Screeningprozess sollte man über eine ausreichende Anzahl an Unternehmen verfügen, in die man investieren kann. Hier beginne ich mit dem letzten Teil des Auswahlprozesses – der Fundamentalanalyse. Denn sich nur auf die o.g. Faktoren zu verlassen, schließt die Analyse der einzelnen Unternehmen aus. Und das will ich vermeiden. Da ich eventuell viele Jahre in den ausgewählten Unternehmen investiert bin, möchte ich auch wissen, um welche Unternehmen es sich im einzelnen handelt und wie deren aktuelle fundamentale Situation ist und die Zukunftsaussichten aussehen. Deshalb kann ich auf die klassische Fundamentalanalyse nicht verzichten. Das sind die Kriterien, die mich dabei besonders interessieren:

  • Geschäftsmodell
  • Gewinnwachstum
  • Dividendenwachstum
  • Verschuldungsgrad
  • Preis/free Chashflow
  • Insiderkäufe/ – verkäufe
  • Kurs/ Buchwert-Verhältnis
  • PEG-Ratio – ein Wert, der das Gewinnwachstum berücksichtigt
  • Payout-Ratio: Wieviel des Gewinns schüttet das Unternehmen als Dividende aus

Anlagestrategie konkret: Was ist der fair value einer Aktie?

Mit diesen Kriterien kann man sich an die Bestimmung des fair value einer Aktie begeben. Ich investiere natürlich lieber in ein Unternehmen, dessen Aktien momentan unter ihrem fair value notieren. Warum? Weil hier – unabhängig von meinen verwendeten Filterkriterien – noch ein zusätzlicher „Turbo“ eingebaut ist. Der zündet dann so richtig, wenn der Gesamtmarkt die Unterbewertung ebenfalls erkennt und die Aktie entsprechend gekauft wird. Bei genügend Kaufinteresse steigt auch der Kurs.

Man findet unterbewertete Aktien vor allem in Sektoren, die in den letzten 12 Monaten vom Markt verschmäht wurden. Das führt dazu, dass man in diesen Sektoren Unternehmen findet, die teilweise mit einem einstelligen KGV bewertet sind bei höherem erwartetem Gewinnwachstum. Solche Chancen gilt es zu nutzen, wenn es sich um fundamental gesunde, gut aufgestellte Unternehmen mit Marktführerschaft in ihrem Bereich handelt.

Margin of Safety ist der Abschlag auf den inneren Wert einer Aktie!

„Margin of Safety“: Was ist das und wie wende ich sie an? Margin of Safety kann man mit „Sicherheitsmarge“ übersetzen. Es ist Teil der Frage, wann ein Unternehmen billig/ kaufenswert ist und wann nicht. 

Es gibt verschiedene Möglichkeiten zu ermitteln, wann eine Aktie „billig“ ist. Eine der bekanntesten ist die Bestimmung des Fair Value. Das geschieht meistens über das so genannte DCF-Modell. DCF steht für „discounted cash flow“.

Darüber versucht man, den aktuell fairen Wert einer Aktie/ eines Unternehmens mittels vorhandener Bilanzkennzahlen, insbesondere dem extrapolierten Cashflow, zu ermitteln. Zusätzlich kann man für sich jedoch noch einen weiteren Abschlag, sprich Discount festlegen, zu dem man bereit ist, die Aktie zu kaufen. Oder anders und kürzer ausgedrückt: Kaufe billig! Verkaufe teuer!

Der „Erfinder“ des Value-Investing, Benjamin Graham versteht unter der Margin of Safety die Differenz zwischen dem Preis eines Investments und seinem tatsächlichen (inneren) Wert (Fair Value). Aber jeder Anleger kann in seine Überlegungen einen weiteren „Sicherheitspuffer“ einplanen, der mindestens gegeben sein muss vor dem Kauf. Logisch ist: Je tiefer der Preis eines Investments, denn ich bezahle, desto höher ist die Sicherheit für mich, was zukünftige eventuelle Kursrückgänge betrifft. Bei Dividendenaktien kommt noch dazu, dass je tiefer mein Einstiegskurs in der Aktie ist, desto höher ist meine erwartete Dividendenrendite. Vorausgesetzt, die Dividendenzahlungen bleiben mindestens stabil auf aktuellem Niveau. Zu (ehr)geizig sollte man bei seiner Margin of Safety natürlich nicht sein, denn sonst kommt man möglicherweise nie zum Zug. 

Margin of Safety ist ein zusätzlicher „Puffer“, mit dem der kluge Anleger günstig in eine Aktie einsteigt!

Nachdem man den inneren Wert einer Aktie ermittelt hat, kann es absolut Sinn machen, noch einmal 10% nach unten abzuziehen und dort ein Kauflimit zu platzieren. Auch ein Blick auf den Chart der betreffenden Aktie ist hilfreich. So können die Bollinger Bänder einen ganz guten Eindruck vermitteln, wie hoch der Schwankungsbereich der Aktie in den letzten 12 Monaten war und sich entsprechend am unteren Bollinger Band einen guten Einstiegspunkt suchen. Hier kann man ein bisschen experimentieren, aber es lohnt sich. Der größte Fehler ist, den aktuellen Kursen hinterher zu rennen im Glauben daran, dass die Aktie nie wieder fällt. Geduld zahlt sich an der Börse immer aus. 

Anlagestrategie konkret: Zeit ist die wichtigste Komponente beim Vermögensaufbau mit Aktien!

Womit ich beim nächsten wichtigen Punkt bin, der leider viel zu oft unterschätzt wird – dem Faktor Zeit. Meine Strategie beweist ihre wahre Stärke erst nach längerer Anlagedauer. Ideal ist ein kompletter Börsenzyklus, also sprechen wir über einen Zeitraum von mindestens fünf, wahrscheinlich aber eher acht bis zehn Jahren.

In diesem Zeitraum kommt vor allem eine Komponente der Strategie voll zum Tragen – das Income, womit hier die regelmäßigen Dividendenzahlungen gemeint sind. Damit mache ich mich quasi unabhängig von den Kursschwankungen der Aktien, denn die Dividende kommt regelmäßig und im besten Falle auch steigend. Bei der Auswahl der Unternehmen achte ich nämlich auch darauf, dass die Unternehmen genügend Gewinne erwirtschaften, um zum einen das Wachstum zu finanzieren, zum anderen aber auch in der Lage sind, ihren Aktionären einen großen Teil dieser Gewinne über die Dividendenzahlungen zukommen zu lassen. Um sich hier ein Bild zu machen, wieviel Geld das Unternehmen für Ausschüttungen zur Verfügung hat, empfehle ich einen Blick auf das Payout Ratio. Damit wird die Höhe der Ausschüttungsquote in Prozent beschrieben – also der Teil des Gewinnes, der für Dividendenzahlungen zur Verfügung stehen sollte.

Dividenden sind das Gehalt für den Investor!

Du hast eine Aktie in deinem Depot, nehmen wir einfach mal die Hannover Rückversicherung und jedes Jahr im Mai schüttet dieses Unternehmen ca. 5% Dividende aus. Egal, wie viele Aktien du in deinem Depot hast oder wo der Aktienkurs der Aktie notiert – das Unternehmen belohnt seine Anleger mit einer Dividende. Dieses „Geschenk“ anzunehmen und anzuerkennen hat bei mir Jahre gedauert. Aber es ist nie zu spät für Erkenntnis. Und das heißt: Kaufe Aktien von guten Unternehmen und kassiere Jahr für Jahr die Dividende! Das ist ein Weg zur finanziellen Freiheit. In diesem Artikel kannst du mehr zu Dividenden und ihrer Bedeutung beim Vermögensaufbau lesen.

Anlagestrategie konkret: Zusammenfassung meiner Vorgehensweise!

Ich fasse noch einmal zusammen: Zuerst screene ich nach dem Beta. Das muss auf jeden Fall kleiner 1 sein, je kleiner, desto besser, weil risikoärmer. Danach kommt das Income – also eine Dividendenrendite von mindestens 3 bis 4 %. Dazu ein KGV bzw. P/E kleiner 20, in Relation zum geschätzten Gewinnwachstum, was in diesem Falle zwischen 10 und 20 % liegen sollte. Die Unternehmen sollten eine Marktkapitalisierung von mindestens 3 Mrd. USD haben. Zusätzlich sollten sie ein positives Momentum aufweisen. Das heißt, dass sie aus einer Bodenbildung heraus wieder höhere Hochs und tiefere Tiefs aufzeigen im Chart bzw. zum Zeitpunkt des Screenings höher stehen im Kurs als vor 6 Monaten oder 12 Monaten, wenn man einen längeren Zeitraum wählt.

Die drei Top-Kriterien heißen also

Beta = B,

Momentum = M und

Income = I.

Dazu kommen die

fundamentalen Kriterien = F.

Ich nenne meine Strategie folgerichtig BMIF-Methode

Ich integriere in meine Anlagestrategie noch weitere soft facts. Die meisten davon habe ich dem Buch von Guy Spier „Die Lehr- und Wanderjahre eines Value-Investors“ entnommen. Darin postuliert der Hedgefonds-Manager acht Regeln für den Langfrist-Investor. Einige davon sind Gold wert. In diesem Artikel kannst du mehr darüber lesen und wie ich diese acht Regeln für mich interpretiere.

Photo by Stefan Cosma on Unsplash

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Aktienscreening: Wie ich vorgehe, um Aktien zu finden!

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