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Bernard M. Baruch: Seine Investmentregeln!

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Bernard M. Baruch war eine Wall Street-Legende. Wer die Börse über Jahrzehnte geprägt hat, muss einiges richtig gemacht haben. Die Biografie über Bernard M. Baruch von James Grant ist nicht gerade ein Werk, das mich beim Lesen vom Hocker gehauen hat. Als Börsianer ist mir persönlich der Anteil in dem Buch, in dem die politischen Aktivitäten und regierungsnahe Jobs von Baruch beschrieben werden, zu ausführlich. Aber wie eigentlich fast bei jedem Buch über Börse und Finanzen, konnte ich auch aus dieser Biografie nützliche Erkenntnisse gewinnen. 

Festzuhalten ist, dass Baruch unbestritten jemand ist, von dessen Vorgehensweise ich lernen kann. Seine Zeit an der Börse umfasste viele Jahrzehnte. Seine Anfänge als Spekulant lesen sich aus heutiger Sicht natürlich etwas angestaubt. Herausragend ist das Kapitel über den großen Crash von 1929. Hier lässt sich sehr genau verfolgen, wie Baruch mit seinen großen Positionen umging. Erstaunlich für mich war, dass er während der ganzen Zeit dieses Crashs sehr aktiv handelte. Und zwar auf beiden Seiten – long und short. Aktiv im Börsenhandel blieb er fast bis an sein Lebensende. Noch mit 90 Jahren stellten Besucher und Freunde mit Erstaunen fest, dass er mit Leichtigkeit 10.000 Aktien innerhalb eines Tages handelte. 

Grandios und absolut zeitlos sind zwei Abschnitte. Einer widmet sich der Anlagephilosophie Baruchs bei Investments. Er hat einen Brief an sich selbst geschrieben und darin die Grundsätze und Prinzipien dargelegt, wie er an den Märkten vorgeht. Er nannte es „Denkschrift über die Grundlagen von Kapitalanlagen und Spekulation“. Datiert ist ist es 1930, also mitten im Crash.

Bernard M. Baruch: Investmentregeln im Detail!

Nachfolgend folgt die Abschrift aus dem Buch „Bernard M. Baruch: Der Weg einer Wall Street-Legende“ von James Grant zur Anlagephilosophie von Bernard M. Baruch:

Persönliche Ausstattung

  • Selbstvertrauen: Denke selbst. Lass dich dabei nicht von Emotionen beeinflussen. Halte dich von jeder Umgebung fern, die vernünftiges Handeln negativ beeinflussen kann. 
  • Urteilskraft: Ziehe alle Fakten in Betracht und wäge sie ab. Lass nicht zu, dass deine Wünsche dein Urteil beeinflussen. 
  • Mut: Überschätze nicht den Mut, den du aufbringen kannst, wenn die Dinge gegen dich laufen.
  • Wachsamkeit: Alle neuen Fakten aufdecken, die eine Situation ändern oder die die öffentliche Meinung beeinflussen.
  • Klugheit: Sei flexibel, oder du wirst nicht klug sein. Werde bescheidener, wenn sich der Markt in deine Richtung bewegt. Es ist nicht klug zu kaufen, wenn man meint, dass der Tiefpunkt erreicht ist. Es ist besser, abzuwarten und zu spät zu kaufen. Es ist nicht klug, mit dem Verkaufen bis zum Höchststand zu warten, es ist besser, zu früh zu verkaufen. (…)
  • Flexibilität: Erwäge die Fakten und deine Einschätzung immer wieder. Halsstarrigkeit in Bezug auf Einschätzungen muss vollständig ausgemerzt werden. Wenn man in einer bestimmten Zeit einen bestimmten Betrag verdienen will, geht die Flexibilität vollständig verloren. Wenn du dich entscheiden hast, handle sofort – warte nicht erst die Marktentwicklung ab.
  • Es folgt eine Aufzählung über die Fakten, die aus Sicht von Bernard M. Baruch wichtig für eine Markteinschätzung sind. Diese Aufzählung habe  ich stark gekürzt, da viele Faktoren aus heutiger Sicht nicht mehr praktikabel sind. Einige dieser Faktoren sind allerdings erstaunlich modern.

Die Fakten

  • Soweit sie die Zukunft betreffen
  • Geldmarkt, Anleihemarkt, Spareinlagen, verkaufte Versicherungen, Diskontsatz und Zentralbankpolitik, kommerzielle Kredite
  • Volumen neuer Wertpapierangebote
  • Verhältnis Börsenkredite zu Aktienkursen
  • Volumen des Aktienhandels
  • Politische Lage national und international
  • Banken-Clearing
  • Gütertransport
  • Aufträge: – Baugenehmigungen und erteilte Aufträge
  • Volumen des Einzelhandels
  • Beschäftigung
  • Außenhandel
  • (b) Vergangenheit: – Lagerbestände und Ratenkäufe
  • Produktionsvolumen
  • Erträge
  • (c) Einzelne Unternehmen
  • Ist es ein Wachstumsunternehmen oder ein gewöhnliches Unternehmen (kein experimentelles)?
  • Wird die Konkurrenz zu heftig?
  • Ist es ein dominierendes Unternehmen?
  • Ist es ein Pionierunternehmen?

Man muss gründlich sein, was die Fakten angeht.

Psychologie

So gut wie alle Menschen werden von ihren Emotionen bestimmt: Sie sind abwechselnd zu optimistisch und zu pessimistisch. Wenn du deine Fakten und Einschätzungen zusammenhast, warte auf Bewegung. Bilde dir deine Meinung darüber, wie der Markt sich entwickeln sollte, aber lege dich nicht darauf fest, wie der Markt sich entwickeln wird. Je größer das Interesse des Publikums an Aktien, desto größer seine Macht. Versuche nicht, gegen den Strom zu schwimmen, und folge der Masse aber nicht bei ihren Exzessen. Tätige keine Leerverkäufe, wenn alle auf Hausse eingestellt sind, aber halte keine Long-Positionen, wenn die Möglichkeit einer Wende besteht und sie dich zerreißen können und umgekehrt. Bei einer Börsenpanik kann es vorkommen, dass selbst die besten Aktien nicht mehr zu einem vernünftigen Preis zu verkaufen sind. Sei wachsam in Bezug auf alles, was das Publikum mit Enthusiasmus oder Furcht erfüllen könnte. Wenn das Kursniveau hoch ist, hüte dich, an Dinge zu denken, die die Kurse noch höher treiben können; denke an das Gegenteil und erinnere dich an die Vergangenheit; und umgekehrt. Achte auf die wichtigsten Entwicklungen, hüte dich aber vor zu viel Gesellschaft. 

Begrenze Verluste und lasse Gewinne laufen.

Bewege dich im Allgemeinen schnell. Wenn du das versäumst, halte durch und reduziere deine Verpflichtungen. Reduziere immer Verpflichtungen, wenn du im Zweifel bist. Obwohl du schnell handeln solltest, wenn du dich entschlossen hast, egal, was der Markt tut, musst du dennoch gelegentlich die Marktbewegung bei deinen Plänen berücksichtigen. 

Wenn du eine Situation mit einer vorhergegangenen vergleichst, stelle sicher, dass du in beiden Fällen die Fakten kennst, und berücksichtige psychologische Faktoren. Auf eine übertriebene Aktion folgt immer eine übertriebene Reaktion.

Das Unvorhergesehene: – Berücksichtige immer den Zufall. Halte eine finanzielle, mentale und physische Reserve.

Zitat Ende! Es ist fast unfassbar für mich, dass diese vor 90 Jahren geschriebenen Grundsätze heute genau so und ohne Änderungen in einem der unzähligen Börsenbücher stehen könnte. Das Interessante ist – in vielen aktuellen Büchern stehen solche Wahrheiten nicht. Die Klassiker sind es, an denen sich Börsianer orientieren sollten. Weil Regeln für das Börsengeschäft zeitlos sind. Warum? Weil Menschen den immer gleichen Verhaltensweisen und kognitiven Verzerrungen unterliegen. Mehr dazu erfährst du in diesem Artikel über Vorurteile beim Investieren. Deshalb ist jemand wie Bernard M. Baruch, der vor 100 Jahren schon riskante Aktienspekulationen durchführte, eben nicht aus der Mode. Im Gegenteil: Er ist up to date.

Sein politisches Credo ist für mich genauso bemerkenswert. Nachfolgend zitiere ich es aus dem Buch von James Grant:

„Ich bin Demokrat und zwar aus den folgenden Gründen: Ich glaube, dass der Staat sich um seinen eigenen Kram kümmern sollte. Die Menschen, die am wenigsten regiert werden, werden am besten regiert. Man kann die Menschen nicht mit der Verabschiedung eines Prohibitionsgesetzes zur Enthaltsamkeit bringen, und man kann dem produzierenden Gewerbe nicht mit einer Zollmauer auf die Beine helfen, weil andere dann das Gleiche tun werden und unsere Unternehmen ihre Produktion ins Ausland verlegen müssen, wie das bei General Motors und Ford der Fall war, und dort Arbeitsplätze schaffen statt hier. Ich glaube nicht, dass der Staat zu irgendwelchen wirtschaftlichen Notbehelfen greifen sollte, mit denen ein Teil der Bevölkerung am Kragen gepackt und auf die Füße gestellt wird. Das wird ebenso fehlschlagen wie die Prohibition. Die Menschen müssen die Freiheit haben, ihre Probleme selbst zu lösen. Das Einzige, was der Staat tun kann, ist die Tür der Chancengleichheit für alle offen zu halten. Noch nie in der Geschichte unseres Landes haben wir uns von den guten Prinzipien der Demokratie und des Republikanismus so weit entfernt wie unter der gegenwärtigen Regierung, die sich überall einmischt und nichts erreicht, als den Respekt vor dem Gesetz aufzuweichen.“ (geschrieben 1930)

James Grant, Bernard M. Baruch: Der Weg einer Wall Street-Legende

Diese 1930 verfassten Prinzipien – den Aktienmarkt und Investments betreffend sowie das politische Credo Bernard M. Baruchs – sind zeitlose Richtlinien und heute aktueller denn je.

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