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Priming-Effekt: Kleiner Einfluss, große Wirkung!

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Priming-Effekte wirken im Unterbewusstsein. Ihr Einfluss auf unsere (Vor)Urteile, Einschätzungen und Möglichkeiten ist enorm. Sie haben direkten Bezug auf unser Können, unsere Fähigkeiten und beeinflussen unser Urteilsvermögen. Nur wer sich ganz genau selbst beobachtet und sein Denken analysiert, kann den Priming-Effekt minimieren. Und was hat das Ganze mit Aktien und Investieren zu tun? 

Was ist der Priming-Effekt?

„Der Begriff Priming bzw. Bahnung bezeichnet in der Psychologie die Beeinflussung der Verarbeitung eines Reizes. In den meisten Fällen hat ein vorangegangener Reiz implizite Gedächtnisinhalte aktiviert. Die Verknüpfung des Reizes mit speziellen Assoziationen im Gedächtnis aufgrund von Vorerfahrungen, geschieht häufig und zum allergrößten Teil unbewusst.“ (Quelle: www.wikipedia.de)

Wie wirkt der Priming-Effekt beim Investieren?

Wenn man eine Aktie kauft, dann ist man zu 100 Prozent davon überzeugt, genau das Richtige zu tun. Dieser Kauf ist der beste Deal schlechthin! Nichts kann schiefgehen. Als Käufer ist man grundsätzlich positiv für die Aktie und ihre Kursentwicklung gestimmt. Logisch, denn bei vorhandenen und begründeten Zweifeln hätte man nicht gekauft.

Wenn der Aktienkurs dann steigt, manifestiert sich diese Erfahrung im Gedächtnis. Schon beim nächsten Kauf einer anderen Aktie wird diese gemachte Erfahrung aktiviert. Das führt dazu, dass wir beim zweiten Kauf die selben Überzeugungen haben und unsere Sicherheit, was den Erfolg unseres Investments betrifft, sogar noch gesteigert wird. 

Priming-Effekte filtern nur bestimmte Erinnerungen aus dem Gedächtnis!

An diesem Punkt beginnt der Priming-Effekt. Denn nach dem Kauf filtert unser Gehirn nur noch die positiven News zu der Aktie heraus. Diese dienen als nachträgliche Bestätigung unseres Kaufs (sogenannter Confirmation Bias). Negative Schlagzeilen oder Analysen werden als störend empfunden und konsequent ignoriert. Nur wenige Male gemacht, verfestigt sich die positive Sichtweise auf unsere Fähigkeiten beim Aktienkauf in unserem Gedächtnis und steigert unser Selbstbewusstsein auf eine unkritische und deshalb gefährliche Weise. Es ist dann nicht mehr möglich, einen neutralen, objektiven Blick auf unsere Investition zu werfen. Das ist Priming in perfekter Anwendung. 

Wie kann man dieser eingeschränkten Wahrnehmung entkommen?

Bei allen Investments sollte man regelmäßig (ich schlage zwei Mal im Jahr vor) herausfinden, welche Punkte GEGEN das Investment sprechen. Damit unterbrechen wir die ausschließlich positive Sichtweise auf unser Investment und geben anderen Ansichten ganz bewusst Raum, sich zu entfalten und zu einer möglichst objektiven Gesamteinschätzung beizutragen. Natürlich muss ich an dieser Stelle wieder die gute alte Checkliste erwähnen. Eine Checkliste mit klaren, messbaren Kriterien für den Ein- und Aussteig bei einem Investment schließt schon einmal viele der emotional bedingten, subjektiven Einschätzungen aus. Wenn man sich daran hält.

Priming-Effekte wirken in allen Lebensbereichen!

Den Priming-Effekt bei seinen Aktien-Engagements zu beachten ist übrigens auch in anderen Lebensbereichen von Nutzen. Auch im Leben abseits der Börse lohnt es sich, öfter einmal die Gegenseite zu betrachten und die Situation aus komplett anderer Perspektive zu analysieren.

In diesem Zusammenhang hilft auch ein Scoring-Modell oder ein Quant-Ansatz bei der Beurteilung von Investments. Beispielsweise könnte so ein Modell beziehungsweise so eine Checkliste folgende Kriterien beinhalten: Beta, Momentum (hier auch Marktzyklus), Income und Fundamentaldaten (ROE, ROI, Cashflow-Analyse, P/E im Vergleich zum erwarteten Gewinnwachstum, Verschuldung) und die Zukunftsfähigkeit des Geschäftsmodells. Diese Kriterien sollten natürlich messbar sein – also mit eindeutigen Zahlen versehen werden.

Wer sich für Priming-Effekte und ihre Auswirkungen interessiert, dem empfehle ich das Buch „Vor dem Denken“ von John Bargh. Eine Buchrezension kannst du bei minimalistas lesen.

Photo by Alina Grubnyak on Unsplash

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