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Aktienscreening: Wie ich vorgehe, um Aktien zu finden!

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Aktienscreening klingt nach einer einfachen Sache, aber das ist es nicht. Ich habe mich Anfang des Jahres dazu entschlossen, meine Methode beim Aktienscreening etwas abzuwandeln. Neben der Aufteilung der Investitionssumme auf verschiedene Hauptsektoren erkläre ich nachfolgend, was ich sonst noch angepasst habe.

Die Grundlage für meine Methode, wie ich interessante Werte für mein Depot finde, habe ich bei Fondsmanager Pim van Vliet entdeckt. Sein schmales Buch „High Returns from Low Risk“ sollte sich jeder geduldige Investor unters Kopfkissen legen. Der Autor beschreibt eine einfache Methode für das Aktiendepot. Sein Credo: Vermeide jedes Risiko und handle wenig! Davon ausgehend erläutert van Vliet seine Herangehensweise. Sie umfasst drei Faktoren: Beta, Income (Dividenden) und Momentum. Low Beta ist ein Ansatz, der viele Anleger vor größeren Drawdowns im Depot schützen sollte. Mit vielen Statistiken untermauert van Vliet seine Methode.

Allerdings sei darauf hingewiesen, dass in diesem Buch keine explizite Methode oder Strategie verraten wird. Es geht vielmehr um eine entspannte Herangehensweise beim Handel an den Märkten. Wer nach konkreten Tradingansätzen sucht, wird in diesem Buch nichts darüber finden. Wer das Philosophieren abseits des hektischen Handelns bevorzugt, ist mit dieser Lektüre perfekt bedient.

Aktienscreening in der Praxis

Wenn man die BMIF-Methode konsequent anwendet, kann es in der Praxis zu folgendem Phänomen kommen: Man screent die Markte nach den erwähnten Kriterien Beta, Income und Momentum und erhält eine Auswahl Aktien. Sagen wir zur Veranschaulichung, man hat als Ergebnis des Screenings im Russel 2000-Index (dem Nebenwerte-Index in den USA) eine Liste von 50 Aktien erhalten. Dabei wird es höchstwahrscheinlich passieren, dass darunter vielleicht 5 Versicherungsunternehmen, 3 Banken, 5 REITs und 3 Versorger sowie 4 Pharma-Unternehmen sind.

Aktienscreening: Marktzyklus-Modell und Klumpenrisiko im Depot!

Nimmt man diese Aktien jetzt ohne weitere Selektion in sein Depot auf, dann ist man logischerweise in diesen Sektoren hoch gewichtet. Damit kauft man sich natürlich gleich wieder ein höheres Risiko ein – und genau das wollen wir ja vermeiden. Also habe ich die BMIF-Methode bei den Feinheiten in der praktischen Anwendung abgewandelt, indem ich mehrere Sektoren ausgewählt habe, in denen ich investiert sein möchte. Denn auch die Diversifikation ist ein Faktor, der bei der Erstellung eines risikoarmen Portfolios unbedingt beachtet werden sollte.

Diversifikation: Investments über verschiedene Sektoren streuen!

Man kann die BMIF-Methode „knallhart“ anwenden, gar keine Frage, ich habe für mich beschlossen, die Investments auf verschiedene Sektoren aufzuteilen. Wenn man wiederum annimmt, dass man mit dieser Methode in einem kompletten Börsenzyklus aktiv investiert sein möchte, ist meine Annahme, dass während dieses Zyklus jeder der ausgewählten Sektoren sein Hoch und sein Tief durchlaufen wird und die sich daraus ergebende Schnittmenge für die angestrebte Outperformance sorgen sollte.

Dieses einfache Marktzyklus-Modell hilft mir dabei, zur richtigen Zeit des Marktzyklus die passenden Sektoren auszusuchen. Natürlich steht vor allem die Frage: In welchem Bereich des Zyklus stehen wir aktuell?

Welche Sektoren man für seine Diversifikation verwenden möchte, bleibt jedem Investor selbst überlassen. Ich habe mich bei meiner Depotaufteilung und der Verteilung in verschiedene Branchen/ Sektoren am Marktzyklus-Modell orientiert.

Aktienscreening: Das Paradoxon bei häufiger Systemanpassung!

Ein kleines Gedankenspiel, warum Methoden wie Value oder meine BIMF-Methode in der praktischen Anwendung funktionieren: Es gibt ein Paradoxon, welches nicht nur an den Finanzmärkten diskutiert wird. Durch ständig wachsendes Wissen werden in immer kürzerer Zeit bestehende Systeme sich verändern oder im radikalen Fall einfach nicht mehr funktionieren. 

Permanente Systemanpassung macht ein System instabil!

Dieses Paradoxon sorgt dafür, dass die Teilnehmer an solch einem System dieses permanent anpassen. Und genau hier liegt die Gefahr, denn durch permanentes Nachsteuern und Anpassen eines Systems wird genau dieses System instabil und funktioniert irgendwann nicht mehr. Es kommt dann zu einem radikalen Umbruch. Welche Vor- und Nachteile es generell bei einem quantitativen Aktienscreening gibt, habe ich in diesem Artikel näher beleuchtet.

Die Schlussfolgerung daraus ist:

Je weniger man in ein System eingreift, umso stabiler verhält es sich und liefert langfristig die besseren Ergebnisse.

Noch einfacher gesagt: Je weniger man macht in seinem Depot, umso bessere Erträge werden statistisch erzielt. Klingt gewöhnungsbedürftig, oder? Es entspricht nicht der logischen Vorgehensweise, aber an den Finanzmärkten muss man sich mit einer „anderen“ Logik beteiligen, die auch den großen Einfluss des Zufalls nicht ausschließt. Auf jeden Fall ist dieser Gedanke der Systembeeinflussung durch viele Faktoren und Personen eine spannende intellektuelle Herausforderung. Letztendlich entscheidet die Performance, ob eine Strategie an den Märkten funktioniert oder nicht. Der Kontostand ist der Schiedsrichter. 

Pro und Contra bei Transaktionskosten!

Ein wichtiger Aspekt spricht gegen zu häufiges Umschichten: die Transaktionsgebühren. Jeder Kauf und Verkauf kostet Gebühren, und wer hier zurückhaltend agiert, spart langfristig eine Menge Geld. 

Nehmen wir ein Beispiel und tauschen 9 Aktien pro Jahr aus. Wir verkaufen also 9 Werte und kaufen wieder die gleiche Anzahl. Bei einer Transaktionsgebühr von 5 EUR sind das in Summe 90 EUR pro Jahr. Wer bei einer deutschen Direktbank sein Depot führen lässt, darf diese Summe locker verdoppeln, denn eine Transaktion kostet bei Consorsbank und comdirect um die 10 EUR, wenn nicht mehr. Senkt man also den Depotumschlag auf 10 % pro Jahr, bedeutet das mehr Cash auf dem Konto. Und wenn es keine Gründe für einen Verkauf gibt, dann verkauft man eben nicht. So einfach ist das. Wann ich konkret eine Aktie verkaufen würde, klären wir in einem der folgenden Blogbeiträge.

Umschichten im Depot: Wie oft und wie viele Aktien?

Wie oft tausche ich Werte in meinem Depot aus? Das ist eine schwierige Frage, die viel mit den persönlichen Vorlieben und auch den damit verbundenen Kosten zu hat. 

Defensive Fondsmanager wie Pim van Vliet arbeiten mit einem Depotumschlag von 30% pro Jahr. Das bedeutet, wenn man in seinem Portfolio zum Beispiel 30 Aktien hat, tauscht man maximal 9 davon pro Jahr aus. Heißt, man verkauft diese und kauft dafür neue 9 Werte. Ich strebe 10 bis 20% Depotumschlag an. Warum? Zum einen bin ich mittlerweile ein großer Verfechter einer ruhigen, entspannten Herangehensweise beim Investieren.

Vorhersagen bei Kursentwicklungen funktionieren nicht!

Je mehr ich also aktiv in meine Portfolio-Struktur eingreife, umso mehr Arbeit und Aufmerksamkeit muss ich aufwenden. Und ich weiß wie immer nicht, ob sich dieser Mehraufwand lohnt. Denn ob die neu gekauften Werte sofort eine gute Performance hinlegen, weiß ich genauso wenig wie ich nicht weiß, ob die verkauften Werte nicht doch noch „anspringen“ und die Kurse auf einmal nach oben tendieren. Weniger ist hier mehr. 

Kaufe dich in ein Unternehmen ein und warte mindestens zwei Jahre, bevor du etwas tust!

Guy Spier

An dieser Stelle sei ein Verweis auf das Buch von Guy Spier erlaubt, der die Empfehlung gibt, nach dem Kauf einer Aktie auf jeden Fall zwei Jahre zu warten und während dieser Zeit nichts an diesem Investment zu verändern. Ich denke, dass macht Sinn, denn durch mein Aktienscreening und die BMIF-Methode finde ich definitiv nicht die „Kurs-Raketen“ des Jahres, sondern schwankungsarme Aktien mit geringem Risiko und einem soliden Income. Und diesen Aktien muss ich eine gewisse Zeit geben, damit sie sich entfalten können. Während dieser Phase kassiere ich Dividenden und übe mich in Geduld. 

Geld wird an der Börse oft nicht mit dem Kopf, dafür aber viel öfter mit dem Arsch verdient!

unbekannt

Photo by Ant Rozetsky on Unsplash

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