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Geduld und Spucke – Die Bottom Fishing-Strategie ist nichts für Hektiker

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In der Theorie ist alles ganz einfach: Man kauft eine Aktie an ihrem Tief und hält sie solange, bis sie ein neues Hoch erreicht hat. Doch wie schon Börsenlegende André Kostolany feststellte: „Wer am Tief gekauft und am Hoch verkauft hat, der ist ein Lügner!“ Warum Bottom Fishing trotzdem Sinn macht und wie man diese Strategie anwendet, erkläre ich in diesem Artikel. 

Aktienkurse schwanken. Innerhalb eines Jahres sind das oft 20 Prozent und mehr. Es macht also durchaus Sinn, ein gutes Unternehmen zu Kursen zu kaufen, die ein günstiges Chance-Risiko-Verhältnis aufweisen. Was man dafür braucht, ist Basiswissen im Bereich Chart- und Markttechnik, die Fähigkeit, ein gutes Unternehmen anhand seiner Fundamentaldaten zu erkennen und dann viel Geduld, um zum Zuge zu kommen. Man muss auf seine Chance warten, den richtigen Moment abpassen, um einzusteigen. Denn wie erwähnt – Aktienkurse schwanken innerhalb eines Jahres. Die „Bottom Fishing“-Strategie ist dabei sehr hilfreich. Sie ähnelt in gewisser Weise dem Konzept der „Margin of Safety“. Mehr zu meiner Interpretation der Margin of Safety kannst du in diesem Blogbeitrag nachlesen.  

Bottom Fishing: Kaufe gute Unternehmen zu einem günstigen Preis!

Es geht also darum, eine Aktie, die alle fundamentalen Kriterien erfüllt, so tief wie möglich zu kaufen. Natürlich innerhalb einer gewissen Toleranzschwelle. Denn wer gute Unternehmen auf seiner Watchlist hat, der wird immer einen gewissen Preis zahlen müssen. Es geht nur darum, den niedrigsten Preis zu zahlen. Der Gewinn liegt im Einkauf, nennen erfahrende Kaufleute diesen Vorgang. Die Krux dabei ist, dass wir nur den aktuellen Kurs einer Aktie als Dreh- und Angelpunkt sehen. Wenn eine Aktie heute bei 30 USD notiert und schon einmal bei 40 USD war, aber im letzten Jahr bei 25 USD notierte, dann kann es leicht passieren, dass man vorschnell die Maustaste betätigt und den Kauf tätigt. Warum? Weil man sich einfach nicht vorstellen kann, dass der Kurs tatsächlich noch einmal zur 25 USD-Marke abtauchen kann. Im Nachhinein ist man immer schlauer und kann genau bestimmen, wo der ideale Einstiegspunkt gelegen hat. Nur ist es in der Praxis leider nicht so einfach. Man muss seinen persönlichen Einstiegskurs festlegen, zu dem man die Aktie kaufen möchte. Hat man diesen Kurs festgelegt, dann sollte es keine Zweifel mehr geben. Wie also bestimmt man für sich den richtigen Moment, um den Trade einzugehen?

Für erfolgreiches Bottom Fishing braucht es das richtige Timing!

Voraussetzung, um eine Aktie günstiger zu kaufen, ist ein Abwärtstrend. Richtig gehört, wir beobachten Aktien, deren fundamentale Daten absolut in Ordnung sind, die über ein zukunftsfähiges Geschäftsmodell verfügen und regelmäßig positiven Cashflow generieren sowie regelmäßig (seit Jahren) steigende Dividenden ausschütten. Ich spreche über Aktien, die im Moment keiner haben will. Weil sie nicht sexy sind. Das betrifft ganze Branchen. Im Moment, in dem ich diesen Artikel schreibe, ist die Pharma-Branche ein gutes Beispiel. Viele Unternehmen in diesem Sektor sind gut aufgestellt, haben wenig Schulden und erzeugen einen stetig wachsenden Chashflow. Trotzdem werden diese Unternehmen mit einem einstelligen KGV bewertet, obwohl die Wachstumszahlen ein weitaus höheres KGV rechtfertigen würden. Diese Unternehmen sind schlicht unterbewertet. Warum auch immer. Genau diese Unternehmen/ Sektoren sollte man sich als mittel- und langfristiger Anleger genau anschauen. Denn eine unterbewertete Aktie, deren fundamentale Kriterien top sind, wird irgendwann vom „Markt“ wiederentdeckt. Warum? Weil keine Aktie und kein Sektor grenzenlos nach oben geht und weil Geld immer auf der Suche nach günstigen Anlagemöglichkeiten ist.

Beim Bottom Fishing suchen wir gezielt Aktien in Sektoren, die in der Vergangenheit schlechter gelaufen sind!

Deshalb gibt es regelmäßige Rotationen innerhalb der Sektoren. Man tauscht dabei überbewertete gegen unterbewertete Aktien aus. Anlegergeld wandert und ob eine Aktie oder eine ganze Branche unter- oder überbewertet ist, ist immer subjektiv. Es geht dabei nicht nur um reine Mathematik, sondern eben auch um Emotionen, um Phantasie, Hoffnung und Gier. 

Günstig kaufen heißt nicht, ins fallende Messer zu greifen!

An diesem Punkt beginnt die Kunst des günstigen Einkaufs. Denn wir betrachten erst einmal grundsätzlich Aktien, die stark gefallen sind. Aber noch einmal zur Erinnerung: Wir sprechen von finanziell gesunden Unternehmen, die sehr gut positioniert sind, eine relativ geringe Schuldenquote haben und deren Produkte oder Dienstleistungen sich großer Nachfrage erfreuen. Ein günstiger Einkauf ist es nicht, wenn man in das sprichwörtlich fallende Messer greift. Also einfach im Zuge einer Abwärtsbewegung der Aktie wahllos an irgend einem Punkt kauft. Man muss warten können. Geduld und Spucke, hat mein Vater immer gesagt. Man liegt wie ein Jäger auf der Lauer und wartet auf den richtigen Moment. Diesen Moment muss jeder selbst für sich festlegen. Denn wie schon erwähnt, keiner erwischt den perfekten Einstieg in eine Aktie, sprich das Tief, das der Kurs markiert. Besser ist es, man legt für sich seinen persönlich passenden Einstiegskurs fest und wartet geduldig, bis dieser erreicht ist. Dann gibt es kein Zögern mehr. Man platziert die Kauforder und ist investiert. 

Gutes Hilfsmittel: die Bollinger Bänder!

Ich orientiere mich bei meinen Einstiegen sehr gern an den Bollinger Bändern. Diese umgeben den Kurs einer Aktie und zeigen sehr genau, wann der Wert eine Bodenbildung versucht. Bollinger Bänder messen quasi die Schwankungsfreudigkeit einer Aktie innerhalb eines bestimmten Zeitraumes. Ich verwende sie so, dass sie nicht mehr abwärts zeigen. Besser ist es, dass sie sich aus einer Abwärtsbewegung in eine waagerechte Seitwärtsphase bewegen. Das zeigt mir, dass sich die Aktie in einer Bodenbildungsphase befindet. Wenn das so weit ist, suche ich mir markante Tiefpunkte aus der Vergangenheit, die innerhalb des unteren Bollinger Bandes liegen. Knapp über diesen platziere ich meinen Kaufkurs. 

Unbedingt eine Bodenbildung bei der Aktie abwarten!

Das Sentiment für eine Aktie oder einen ganzen Sektor kann lange Zeit negativ sein. Letztendlich entscheidet der Chart, wo man seine optimalen Einstiege findet. Ist das Unternehmen solide, dann werden irgendwann die großen Jungs auf diese Aktie aufmerksam. Es ist nur eine Frage der Zeit. Ich als kleiner Privatanleger mache mir darüber keine Gedanken. Denn weil ich ein absolutes Top-Unternehmen gefunden habe, von dessen zukünftigen Chancen ich unbedingt überzeugt bin, brauche ich nicht die Bestätigung des Marktes. Ich habe Zeit. Ich kann warten. Wichtig ist nur, dass die Aktie einen wirklich nachhaltigen Boden ausgebildet hat. Ich will sehen, dass es wieder aufwärts geht. Ich brauche ein gewisses Momentum. Was übrigens der Grund ist, warum ich niemals genau am Tiefpunkt kaufe. Denn da ich den Tiefpunkt nicht kenne, kann ich nicht wissen, dass er das ist. Verflixte Logik! Ich suche nach einer Beruhigungsphase in der Aktie. Sie fällt nicht weiter, aber sie steigt auch nicht. Sie tendiert seitwärts. Das ist die perfekte Situation. Jetzt kann ich mich in aller Ruhe auf die Lauer legen. Bottom Fishing eignet sich vor allem für mittel- bis langfristige Anleger. Es ist nicht leicht, hier erfolgreich zu sein. Das braucht Übung. Und immer wieder kann ich nur sagen: Geduld und Spucke!

Die Vorgehensweise noch einmal zusammengefasst:

  • Der Aktienkurs des Unternehmens ist stark gefallen, obwohl die Fundamentaldaten sehr gut sind.
  • Das Unternehmen weist solide Zahlen auf. Die selbst aufgestellten Kriterien sind erfüllt. Stichworte sind: Niedriges KGV, Eigenkapitalrendite ca. 25 %, hohe Dividendenrendite, Payout Ratio bis 60 %, steigende Dividende seit mindestens 5 Jahren, Gewinnwachstum ist höher als das KGV
  • Die Aktie hat einen charttechnischen Boden ausgebildet. Das Verlaufstief (mindestens für das vergangene Jahr) wurde zwei Mal getestet. Die Aktie hat ein positives Momentum und die Kurse tendieren nach oben. Das Handelsvolumen in der Aktie ist ansteigend.

Zusätzlicher Sicherheitspuffer bei der Bottom Fishing Strategie: mit einer halben Position einsteigen!

Wer noch einen zusätzlichen Sicherheitspuffer einbauen möchte, der steigt erst mit der halben Position ein. Investiert also von seinem geplanten Gesamtinvestment nur die Hälfte. Falls der Kurs weiter fällt, kauft man für die andere Hälfte zu tieferen Kursen nach. Steigt der Kurs nach dem ersten Einstieg, kauft man in die Aufwärtsbewegung hinein oder verwendet das Geld für den Kauf einer anderen Aktie.

Tipp: Die „Margin of Safety“ und wie ich sie einsetze!

Wenn dich das Thema interessiert, dann ist dieser Artikel genau richtig für dich. Es geht um den richtigen Einsatz der „Margin of Safety“ beim Aktienkauf!

Entspannt gewinnen!

Photo by Vidar Nordli-Mathisen on Unsplash

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