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Prognosen für zukünftige Ereignisse

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Prognosen geben wir permanent ab. Wir denken über künftige Ereignisse nach und geben unsere ganz persönliche Einschätzung ab. Prognosen sind unser täglicher Begleiter. Weil es aber so schwierig ist, Prognosen abzugeben, aber auch so interessant und speziell für Börsianer so wichtig, stelle ich ein Buch vor, in dem diese Thematik hervorragend dargestellt wird. Wir sprechen über das Buch „Superforecasters“ von Philip Tetlock.

Eines der Bücher, auf die ich immer wieder beim Lesen von anderen Büchern gestoßen bin, ist seit gefühlt einigen Jahren „Superforecasters“ von Philip Tetlock. Irgendwann habe ich mir gesagt, jetzt reicht’s und hab mir dieses Buch auf den Kindle geladen und habe es gelesen. 

Die Empfehlungen und positiven Kommentare zu diesem Buch sind nicht unbegründet. Es ist ein hervorragendes Buch, denn es beinhaltet neue Sichtweisen und Erkenntnisse. 

Prognosen sind keine Superfähigkeit von wenigen Menschen. Prognosen abgeben kann jeder lernen!

Worum geht’s? Tetlock beschäftigt sich schon sein gesamtes akademisches Leben mit Vorhersagen, der Qualität und der Fehleranfälligkeit von Vorhersagen. In diesem Buch hat er quasi die Quintessenz seiner Erkenntnisse zusammengefasst und kommt zu einem interessanten Resultat: Man kann lernen, bessere Prognosen abzugeben. 

Es ist also nicht eine angeborene Superfähigkeit, ein besonderes gottgegebenes Talent, sondern bessere Vorhersagen zu treffen ist erlernbar. Wer das Buch liest, wird übrigens erkennen, warum ich am Anfang gesagt habe, dass dieses Buch mir schon häufiger begegnet ist beim Lesen anderer Bücher, denn es begegnen uns gute alte Bekannte, unter anderem Annie Duke beim Thema Entscheidungsfindung,  Nasim Taleb und Daniel Kahneman., der mit seinem Klassiker „Schnelles Denken, langsames Denken“ eines der wichtigsten Bücher der letzten zwei Jahrzehnte geschrieben hat. Der Leser ist also in guter Gesellschaft. 

Dankenswerterweise hat Tetlock im Anhang des Buches die Essentials noch einmal zusammengefasst, wie man bessere Vorhersagen treffen kann. Damit wird auch der ganz normale Mensch angesprochen und um diese Punkte geht es jetzt im einzelnen. 

Philip Tetlock, Jahrgang 1954, ist Professor für Psychologie und Politikwissenschaft an der Universität von Pennsylvania. Sein Forschungsschwerpunkt ist die Verlässlichkeit von Prognosen. Als erster Wissenschaftler hat er bewiesen, dass Experten die Börsenkurse nicht besser vorhersagen als ein Dart spielender Affe. Mit seiner Frau hat er das Projekt goodjudgement initiiert, ein Forschungsprojekt zur Kunst der Vorhersage, dass auch Prognose-Tuniere zwischen Laien und Experten beinhaltete.  

Prognosen: Die Essentials

  1. Geeignete Fragen wählen. Keine Zeit verschwenden mit mechanischen Fragen, die sich mit einfachen Faustregeln beantworten lassen oder mit unkonkreten Fragen, die sich auch nicht beantworten lassen. Stattdessen sollte man sich Fragen stellen mit mittlerer Schwierigkeit, wo der Einsatz am lohnendsten ist.

2. Wenn eine Frage zu schwierig und zu komplex erscheint, dann diese Frage zerlegen in Fragen, die man beantworten kann. Also die Frage so lange herunterbrechen, bis man in der Lage ist, darüber nachzudenken und auch konkrete Antworten formulieren zu können.

3. Zuerst die Außenansicht heranziehen, um Einschätzungen liefern zu können. Danach folgt die Innenansicht, also das, was man selbst über das Problem weiß. Macht man das umgekehrt, dann führt es dazu, dass man seine eigenen Vorlieben und Vorurteile bereits festgelegt hat und diese dann Einfluss nehmen auf die Faktoren, die von außen mit zur Einschätzung dazu genommen werden.

4. Wenn Fakten sich ändern und wenn neue Informationen zu einer ursprünglich getroffenen Einschätzung dazukommen, dann sollte man in der Lage sein, seine ursprüngliche Einschätzung anzupassen und neu zu formulieren. Das heißt, immer flexibel bleiben im Denken und niemals starkköpfig an einer ursprünglich getroffenen Entscheidung festhalten.

5. Immer versuchen, zu seinen Argumenten und daraus resultierenden Entscheidungen auch die Gegenposition einzunehmen und nach Fehlern in seiner eigenen Analyse zu suchen. Hierzu fällt mir auch das Stichwort Prä mortem Analyse ein.

6. Bei einer Entscheidung zum Beispiel für den Kauf einer Aktie sollte man versuchen,  nicht 100 % Ja zu sagen oder 0 % Nein zu dieser Aktie. Stattdessen ist es hilfreicher, dem Erfolg für diesen Aktienkauf eine konkrete prozentuale Wahrscheinlichkeit zuzuordnen.

7. Es ist riskant, vorschnell ein Urteil zu fällen und darauf eine Handlung aufzubauen, aber es ist genauso riskant, unentschlossen zu bleiben und überhaupt keine Handlung vorzunehmen. Die Wahrheit liegt zwischen diesen beiden Extremen.

8. Wenn man mit einer Einschätzung falsch gelegen hat, dann sollte man nach Fehlern in dem Prozess suchen, der zu dieser Entscheidung geführt hat. Man muss dabei aufpassen, dass man durch diesen Rückblick nicht die Fakten verfälscht, die damals zu dieser Entscheidung geführt haben. Konkret: Eine sorgfältige Analyse seiner Entscheidungen hilft dabei, künftig bessere Entscheidung zu treffen. Man sollte nicht nur seine Fehler analysieren, sondern auch seine Erfolge analysieren.

9. Voraussagen und Einschätzungen werden besser, wenn man sie im Team trifft. Nach dem Motto: Vier Augen sehen mehr als zwei. Dabei geht man so vor, dass Beurteilungen und Einschätzungen von den Mitgliedern dieses Teams einzeln eingebracht werden und dann erst gemeinsam diskutiert werden. Macht man das umgekehrt, wird die ganze Aktion zum Stammtisch-Gelaber.

10. Wie überall macht auch beim Formulieren von Vorhersagen und Einschätzungen über künftige Ereignisse und Entwicklungen Übung den Meister. Man muss die Vorgehensweise üben, damit sie zu besseren Entscheidungen und Einschätzungen führt. Wie so vieles ist gutes Prognostizieren ein nie endender Prozess.

Photo by petr sidorov on Unsplash

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