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Schreibe dein eigenes Drehbuch für die Märkte!

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Ein Drehbuch für die Märkte zu schreiben ist ein spannender und kreativer Prozess. Denn wie bei einem Filmdrehbuch musst du dabei an die verschiedensten Dinge denken. Du musst die Story im Blick haben, das Ende der Story und du musst viele Drehungen und Wendungen einbauen, damit es ein spannendes Drehbuch wird. 

Es gibt allerdings einen Unterschied zwischen einem Drehbuch für einen Film und einem Drehbuch für die Märkte: Das Drehbuch für einen Film bestimmst du von Anfang an selbst. Es ist deine Idee und alles, was du brauchst, damit es eine spannende, fesselnde Geschichte wird, denkst du dir selbst aus. Du bist der Chef im Ring. Alle Personen in deinem Skript und deren Handlungen entspringen deiner Phantasie. Du bestimmst, was sie denken, fühlen und wie sie handeln.

Drehbuch ist nicht gleich Drehbuch!

Dein Drehbuch für die Märkte schränkt dich von Anfang an ein. Du kannst hier nur sehr wenig bestimmen. Eigentlich nur das, was DU konkret denkst, wie DU auf äußerliche Einflüsse reagierst und wie DU konkret handelst. Alles andere spielt im wahrsten Sinne außerhalb deiner Verantwortung. Die Märkte und ihre unvorhersehbaren Kursbewegungen, die Aktien, die Analysten, die Wirtschaftsdaten und die emotionale Reaktion der anderen Marktteilnehmer, dein Broker – diese Faktoren sind zwar Teil deines Drehbuchs für die Märkte, aber du hast keinen Einfluss auf sie. Du musst sie als notwendige Zutaten betrachten und irgendwie mit ihnen klarkommen. 

Konkret heißt das, dass bei einem Drehbuch für die Märkte die Vorstellungskraft sehr groß sein sollte. Sie sollte so groß sein, dass genug Raum ist für alle möglichen Szenarien, die eben NICHT von dir als Investor kontrolliert werden können. Der Investor und Hedgefondsmanager Paul Tudor Jones sagt dazu folgendes: 

„Das bedeutet, dass ich eine Vorstellung über den Markt entwickle und sie mit sehr geringen Risiken verfolge, bis ich mehrmals Unrecht gehabt habe oder bis sich mein Standpunkt ändert.“

Quelle: Schwager, Market Wizards, S. 129

Dein Drehbuch für die Märkte sollte Alternativszenarien haben!

Deshalb sollte dein Drehbuch für die Märkte verschiedene Versionen haben. Das ist der große Unterschied zu einem normalen Drehbuch. Da gibt es nur eine Version und vielleicht noch ein alternatives Ende. Zumindest gab es das zu Zeiten, als DVDs noch als special Version herauskamen. Da gab es teilweise ein alternatives Filmende bei den „Extras“. Die Finanzmärkte bieten diese Nettigkeit nicht. Da gibt es nur eine Wirklichkeit, nur einen Kurs für die Aktie oder den Index. 

Weil diese Realität, die du nicht vorausbestimmen kannst, aber unbekannt ist, ist es sinnvoll, ein Drehbuch für die Märkte zu schreiben, das Alternativen zulässt. Alternativen, die dir die Möglichkeit geben, unterschiedliche Handlungen vorzunehmen. Unterschiedliche Handlungen, weil sie von deinem Ursprungs-Skript abgewichen sind. Im Klartext bedeutet das, dass du bei deinem eigenen Denken antizyklisch vorgehen solltest. Stelle dich selbst und das, was du annimmst, was passieren könnte, immer in Frage. Mehr zu antizyklischem Denken erfährst du in diesem Artikel.

Drehbuch für die Märkte: Die Zukunft ist nicht vorhersehbar!

Was ist damit gemeint? Wir alle tappen regelmäßig in die Falle und versuchen, die Kursbewegungen an den Finanzmärkten vorauszusagen. Zumindest geben wir eine Einschätzung ab, was passieren sollte, wenn wir eine Aktie kaufen. Der Terminus „Was passieren sollte“ sagt schon einiges: Denn damit meinen wir natürlich eine konkrete Wunschvorstellung. Beim Kauf einer Aktie erwarten wir insgeheim, dass sie steigt. Würden wir das nicht annehmen, wäre es ziemlich merkwürdig, dass wir die Aktie kaufen, oder? 

Mit dieser Vorstellung können wir aber nur eine persönliche Vorhersage treffen und hoffen, dass sie eintritt. Dafür analysieren wir die Aktie, schauen uns ihre Fundamentaldaten an und auch den Chart. Dann treffen wir die Entscheidung und kaufen. Und an diesem Punkt endet unsere Einflussnahme. Wir können unser Drehbuch für diese Aktie nicht mehr weiterschreiben, denn jetzt betritt ein mächtiger Spieler die Bühne – der Markt. 

Der Markt hat immer Recht! Und Zufälle sind die Regel, nicht die Ausnahme!

Mit dem Markt meint man die vielen Millionen Anleger, die täglich ihre eigenen Wünsche und Vorstellungen von Kursbewegungen mittels Käufen oder Verkäufen umsetzen. Das bedeutet, dass dein Drehbuch der Märkte von vielen äußeren Faktoren mitgeschrieben wird. Diese Einflüsse kennen wir nicht. Sie sind also zufällig.

Diesen Zufälligkeiten, die von außen durch viele andere Faktoren Einfluss nehmen auf unser Investment, können unser persönliches Drehbuch ziemlich durcheinander bringen. Es ist sogar sehr wahrscheinlich, dass das passiert. Das ist der Grund, warum wir verschiedene Versionen unseres Drehbuchs für die Märkte schreiben sollten. Ich nenne es „Alternativszenarien“.

Darüber steht die Frage: „Was ist, wenn es anders kommt, als ich denke?“ Wer sich ehrlich mit dieser Frage beschäftigt, kommt automatisch zu weiteren Fragen wie: 

  • „Bin ich vorbereitet auf die Möglichkeit, dass es ganz anders kommt?“
  • „Ist meine Position groß oder klein genug?“
  • „Brauche ich eine Exit-Strategie?“
  • „Setze ich nur Kapital ein, auf das ich lange Zeit verzichten kann?“

Diese Fragen sind die Inhalte deines alternativen Drehbuchs. Weil keiner die Kursbewegungen voraussagen kann, braucht es diese alternativen Szenarien. Mit diesen Alternativen bleibst du handlungsfähig, gerade dann, wenn deine Wunschvorstellung nicht eintritt. Deshalb sind sie wichtig. 

Hinterfrage deine Entscheidungen regelmäßig! Ändere deine Perspektive beim Blick auf die Aktienmärkte!

 In seiner Beschreibung, wie er ein Drehbuch für die Märkte entwerfen könnte, sagt Paul Tudor Jones: 

„Ich versetze mich mental in die Situation eines Mannes, der den Markt leerverkauft hat, und ich denke darüber nach, wie ich emotional auf verschiedene Ereignisse reagieren würde und was passieren müsste, damit ich meine Position glattstelle. Ich schreibe das dann auf – und dies ist der Höhepunkt des Tages. Der Höhepunkt des Tages kommt nämlich genau dann, wenn die Leerverkäufer kapitulieren. Ich schließe dann die Augen und stelle mir vor, ich hätte Long-Positionen. Ich sage: ‚Gut. Wo ist der Punkt, an dem ich nervös werde?’ Wann würde ich sagen: ‚Oh mein Gott, ich muss unbedingt aussteigen?‘ Und das wäre dann mein prognostiziertes Tagestief. Diese Vorbereitung ist wichtig, um großartige Einstiegspunkte für Käufe und Leerverkäufe zu finden. Man weiß, dass jedes Hoch und jedes Tief im Rahmen dieser emotionalen Extreme erreicht wird. Die richtige Ausführung der Trades ist schon der halbe Erfolg.“ 

Quelle: „Mehr Geld als Gott“, S. 530

Mehr zu den Prinzipien von Paul Tudor Jones beim Investieren kannst du in diesem Artikel lesen.

Photo by Markus Winkler on Unsplash

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