Reflexionen

Quo vadis: Was passiert an den Finanzmärkten 2020?

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In der aktuellen Situation stellen sich viele Privatanleger die Frage: Was mache ich mit den Aktien in meinem Depot? Soll ich nachkaufen, weil die Kurse von einigen Aktien stark zurückgekommen sind? Soll ich neue Aktien dazu kaufen? Sind wir schon wieder zu schnell gestiegen an den Finanzmärkten? Soll ich vielleicht alles verkaufen, weil wir noch viel tiefere Kurse sehen werden? 

Diese Fragen sind zwar legitim, führen aber zu nichts. Warum nicht? Weil keiner weiß, was in Zukunft passieren wird. Kein Ökonom weiß das, kein Politiker, kein Angestellter, kein Privatanleger, kein hauptberuflicher Akteur an den Finanzmärkten, kein Fondsmanager, kein Sparkassenangestellter, kein Vorstandsmitglied eines Unternehmens. Niemand.  

Niemand weiß zur Zeit irgend etwas über den Verlauf des Virus und die Folgen des Lockdowns für die Wirtschaft und für das private Umfeld für jeden von uns.

Eine Phase der Ungewissheit an den Finanzmärkten!

Wir leben in einer Phase der Unsicherheit und Ungewissheit. Wir registrieren Millionen neuer Arbeitslosenanträge in den USA (in Deutschland und vielen europäischen Ländern wird das kreativ mit „Kurzarbeit“ verklausuliert) – viel höher als zu Zeiten der Finanzkrise 2008 – und die Finanzmärkte steigen trotzdem. Wir realisieren, dass viele Unternehmen ihre Dividenden kürzen oder aussetzen, aber die Finanzmärkte steigen trotzdem. Kann das gut gehen? Ich habe keine Ahnung. Es fühlt sich für mich allerdings etwas komisch an, was gerade an den Börsen passiert, das gebe ich zu. 

Manchmal ist an den Finanzmärkten Nichtstun das Beste, was der Anleger tun kann!

In dieser Phase der Unsicherheit und Ungewissheit ist es meiner Meinung nach am besten, gar nichts oder nur sehr wenig zu tun. Das hört sich ein bisschen langweilig an, ist aber wahrscheinlich der Weg, der mit der geringsten Aufregung verbunden ist. 

Voraussetzungen für Investitionen an der Börse!

Voraussetzung bei Investitionen an der Börse ist, das man vorher ein paar Regeln beachtet. Dazu zählen: 

  • Kein Aktienkauf auf Kredit! 
  • Ist ein Notgroschen angespart, der mehrere Monatsgehälter umfasst! 
  • Nur das Geld investieren, was man wirklich nicht zum Leben oder für überraschende Ereignisse braucht! 
  • In Unternehmen oder Assetklassen investieren, zu denen man irgendeine Art Beziehung und wenigstens ein bisschen Ahnung hat. 

Wer diese Punkte beachtet, hat schon eine Menge richtig gemacht. Die Folge einer solchen Vorgehensweise ist nämlich, dass man aktuell nichts tun muss. Keine Aktien verkaufen, keine neuen Aktien kaufen! Stattdessen einfach nur warten, beobachten und die Kursverluste oder zwischenzeitlichen Erholungen im Aktiendepot so nehmen wie sie sind – eine kleine aufregende Unterhaltung, aber nicht mehr.

Anleger ohne Plan verlieren auf lange Sicht an den Finanzmärkten!

Wer diese eben beschriebene gute Vorbereitung nicht so perfekt gemacht hat, der muss sich jetzt natürlich mit unbequemen Fragen zu seinem Aktiendepot beschäftigen. Derjenige lebt in einem permanenten Zustand der Unsicherheit. Aus Unsicherheit wird dann Angst. Die Buchverluste im Aktiendepot schmerzen. Die Erholung der letzten Wochen hat für Zuversicht gesorgt. Ist alles schon vorbei? Keine Probleme mehr in Sicht? Alles wird so sein wie vorher? Fragen, die keiner seriös beantworten kann. 

Es gilt hier auch wie schon oft beschrieben: Wer sich unwohl fühlt mit seinen Investitionen, der muss aktiv werden und sie reduzieren oder komplett verkaufen

An dieser Stelle sei auf meinen Artikel „Rumrutsch-Faktor“ verwiesen, in dem ich auf diese Thematik näher eingehe. 

Nachtrag aus meinem letzten Newsletter!

Das Nervige an einer größeren Korrektur wie derzeit oder gar einem Crash sind nicht so sehr die Kursverluste. Die passieren so schnell, dass man keine Chance hat zu reagieren. Das wirklich Nervige ist die Zeit, die es braucht, um die entstandenen Buchverluste im Depot wieder auszugleichen. Keiner kann nämlich sagen, wie lange das dauert. Das können Jahre sein, bis ein Depot wieder auf Einstandswert notiert. Bestes Beispiel dafür ist das sogenannte „verlorene“ Jahrzehnt Anfang der 2000-er Jahre, als die Indizes 10 Jahre mehr oder weniger auf der Stelle traten. Während dieser Phase lässt der Normalanleger richtig Nerven und viele geben auch auf und verkaufen alles. In dieser Phase zeigt sich, wer sein Depot gut strukturiert hat (Stichwort Diversifikation und Positionsgröße). In dieser Phase zeigt sich vor allem, wer mental in der Lage ist, das durchzustehen. 

finlog, Newsletter März 2020

Wer kann jetzt an den Finanzmärkten aktiv werden?

Wer einen sicheren Job und seinen privaten Cashflow im Griff hat, jeden Monat Überschuss erzielt in seiner privaten Haushaltsrechnung, ein ausreichendes Polster hat für Notlagen wie diese und jetzt in ein Unternehmen investieren und Aktien kaufen will und sich es leisten kann, das eingesetzte Kapital auch wirklich nicht zu brauchen in den nächsten Monaten und Jahren… Warum sollte die- oder derjenige jetzt nicht Aktien kaufen? 

Natürlich kann man Aktien von guten Unternehmen kaufen, deren Kurs in den letzten Wochen 50 % nach unten korrigiert hat. Vor sechs Monaten wäre das eine undenkbare Gelegenheit gewesen. Warum also heute zögern? Auch wenn sich die Kurse vieler Unternehmen inzwischen wieder komfortabel von ihren Tiefstständen im März erholt haben, notieren viele immer noch weit unter ihren Höchstständen zum Jahreswechsel. Wer unsicher ist (was in diesen Zeiten eine sehr ehrenwerte Einstellung ist), der kann erst einmal nur eine halbe Position eröffnen und nicht gleich das ganze geplante Kapital in den Kauf investieren. Wie so ein Kauf in Tranchen funktioniert und wie ich das bei meinen Aktienkäufen nutze, kannst du in diesem Artikel lesen.

Keiner weiß, was den Finanzmärkten in diesem Jahr noch bevorsteht!

Aber wie eben geschrieben – wer aktuell zögert mit neuen Engagements an den Finanzmärkten, der macht nichts falsch. Ich hatte es eingangs erwähnt: Manchmal ist Nichtstun das Beste, dass ein Anleger an den Finanzmärkten machen kann. Die Zögerlichkeit liegt begründet in der unbekannten Dimension des wirtschaftlichen Abschwungs, der uns bevorsteht. Einer Rezession, hervorgerufen durch das Virus, aber auch bedingt durch die absurd hohen Bewertungen, die zum großen Teil in den Aktien beinhaltet waren vor Corona. Diese hatten mit der Realität, was Bewertung und Gewinnentwicklung betrifft, kaum noch etwas zu tun. Die Kurse hatten sich abgekoppelt von den realen Zahlen.

Meine Herangehensweise für eine Investition an den Finanzmärkten in unsicheren Zeiten!

Wenn ein Unternehmen ein solides Gewinnwachstum und einen ausreichenden Cashflow aufzuweisen hat, dazu ein Geschäftsmodell, das während und nach der Krise Bestand hat und haben wird; wenn dieses Unternehmen Geld verdient und auch künftig Geld verdienen wird, dann gibt es eigentlich nichts zu überlegen, wenn man die Grundregeln bei der Vermögensbildung beachtet. 

Ob man jetzt kauft oder abwartet, ist eine individuelle Frage für jeden einzelnen Privatanleger und sie ist nur individuell zu beantworten. Das erfordert analytisches Denken, ein bisschen Grundkenntnisse in Mathematik, Entscheidungsfreudigkeit und die Kenntnis des persönlichen Risiko-Level. 

Den richtigen Zeitpunkt zum Einstieg in Aktien oder ETFs findet sowieso niemand. Es hat aktuell den Anschein, dass die Nachrichtenlage sehr negativ ist, was die Dauer der Beeinträchtigungen durch das Virus betrifft und die Aussichten für viele Unternehmen nicht gerade berauschend sind. Diese Negativität wäre ein Argument für erste kleine Investitionen in ausgewählte Qualitätsunternehmen. 

Soziale Medien als Kontraindikator für die Stimmung an den Finanzmärkten!

Andererseits stelle ich fest, dass in den sozialen Medien immer noch sehr viele Privatanleger mit sehr positiven Meinungen bezüglich der Ertragslage und den Aussichten auf Kursgewinne unterwegs sind. Das stimmt mich wiederum negativ für einen Einstieg in Aktien, denn die Vergangenheit hat gezeigt, dass es erst zu wirklichen Tiefpunkten an den Finanzmärkten kommt, wenn Privatanleger vollkommen hoffnungslos sind, sich von den Aktienmärkten abwenden, ihr Portfolio-Management aufgegeben haben und es auch zu Kündigungen von Depots bei den Banken kommt. Das war nach meiner Erfahrung meistens die beste Zeit, um sich wieder an den Börsen zu engagieren. 

Mein Fahrplan für einen Einstieg an den Finanzmärkten!

Diesen Zustand haben wir noch nicht erreicht meiner Meinung nach. Er könnte aber im Frühsommer/ Sommer erreicht werden und zwar verstärkt dadurch, dass möglicherweise die aktuellen Beschränkungen im öffentlichen Leben länger dauern als derzeit angenommen. Wenn das passiert, und damit die wirtschaftliche Situation vieler kleinerer und mittlerer Unternehmen schwieriger wird, wenn auch der private Freizeit- und Entertainment-Bereich vollkommen zum Erliegen kommt und wenn die Urlaubssaison – des Deutschen liebstes Kind – ins Wasser fällt, dann könnte es tatsächlich zu einer Kapitulation vieler Privatanleger kommen. Für viele auch dadurch, weil sie das Geld, was in ihren Aktiendepots investiert ist und was gefühlt immer weniger wird, obwohl es nur Buchverluste sind, in einem emotionalen Moment der Schwäche aus dem Depot abziehen. 

Fazit: Vorsichtig agieren an den Finanzmärkten ist oberstes Gebot. Dein Kapital ist dein Betriebsvermögen in deiner kleinen Firma, die sich Aktiendepot nennt. Pass darauf auf!

Martin Ceralde für www.unsplash.com

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Investieren ist das neue Trading! Nach 20 Jahren Börse agiere ich gelassener, geduldiger und smarter. Möglich geworden durch eine neue Sichtweise und einen guten Plan. In meinem Blog philosophiere ich regelmäßig über Börse, Finanzen, passives Einkommen, Wissen und Tun, meine Investments, Aktien und langfristigen Vermögensaufbau.

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